Pflegekurse für Angehörige: Pflegekassen schulen kostenlos, auch zu Hause

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Ende 2023 bekamen 3,1 Millionen Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend von Angehörigen versorgt, so das Statistische Bundesamt. Eine Pflicht, Heben, Lagern oder Umsetzen vorher zu lernen, gibt es für sie nicht. Pflegekurse für Angehörige kosten nichts. Gerade jetzt rückt das Angebot in den Blick, weil die geplante Pflegereform die Schulung zu Hause neu ordnen soll.

Pflegekurse für Angehörige: Die Kasse muss sie anbieten

Grundlage ist § 45 SGB XI. Danach haben die Pflegekassen Schulungskurse für Angehörige und für ehrenamtlich Pflegende durchzuführen, und zwar unentgeltlich. Es handelt sich um eine Pflicht der Kassen. Ziel ist, die Pflege leichter zu machen und körperliche wie seelische Überlastung zu verhindern, bevor sie entsteht.

Wer teilnehmen will, muss keine Pflegeperson im rechtlichen Sinn sein. Auch Nachbarn, Freunde oder Kinder, die sich auf eine absehbare Pflege vorbereiten, können einen Kurs besuchen. Die Kassen müssen die Kurse nicht selbst halten. Erlaubt ist auch, sich mit anderen Kassen zusammenzutun oder Einrichtungen zu beauftragen. Laut Bundesgesundheitsministerium arbeiten sie dafür häufig mit Pflegediensten, Volkshochschulen, Nachbarschaftshilfen oder Bildungsvereinen zusammen.

Gruppe, online oder daheim: drei Wege zum Pflegekurs

Das Gesetz kennt drei Formen. Klassisch ist der Kurs vor Ort in der Gruppe. Die Kassen sollen zusätzlich digitale Pflegekurse anbieten, wobei die Pflicht zu Präsenzkursen ausdrücklich bestehen bleibt. Die dritte Form ist die Schulung in der Wohnung der pflegebedürftigen Person. Diese findet statt, wenn Pflegeperson und Pflegebedürftige es beide wünschen.

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FormOrtSchwerpunktBesonderheit
GruppenkursPflegekasse, Volkshochschule, Klinik, PflegedienstGrundlagen der Pflege, Austausch mit anderenoft kompakt an Abenden oder Wochenenden
Onlinekurszu Hause am Rechner oder SmartphoneEinstieg und AuffrischungAngebot je nach Kasse und Region verschieden
Schulung zu HauseWohnung der pflegebedürftigen PersonHandgriffe für die konkrete Situationauf gemeinsamen Wunsch, bei der AOK etwa zwei Stunden

Die Inhalte unterscheiden sich je nach Anbieter. Die AOK nennt Grundpflege wie Hilfe beim Anziehen, rückenschonendes Heben und Tragen, Hygiene sowie Fragen zu Sozialleistungen und Betreuungsrecht. Die Barmer führt neben dem Basiskurs „Zu Hause pflegen“ auch Kinaesthetics-Training, das Bobath-Konzept für Menschen mit Lähmungen nach Hirnschädigungen wie einem Schlaganfall und Kurse zu Demenz auf.

Was die Kurse beim Heben und Lagern bringen

Der praktische Nutzen zeigt sich oft an kleinen Bewegungen. Wer einen bettlägerigen Menschen täglich mehrmals umlagert, belastet den eigenen Rücken. Eine Pflegefachkraft zeigt, wie man das Gewicht des Gegenübers nutzt, statt es zu stemmen, wie eine Drehung mit einem Laken gelingt und wie der Wechsel vom Bett in den Rollstuhl sicher klappt. In der Schulung zu Hause geht das direkt am eigenen Pflegebett, mit dem vorhandenen Rollator und in der tatsächlichen Badezimmertür.

Der zweite Effekt ist weniger greifbar. In Gruppenkursen treffen Angehörige auf Menschen in derselben Lage. Laut WIdOmonitor vom Mai 2026 gelten mehr als 40 Prozent der befragten pflegenden Angehörigen als hoch belastet, und gut die Hälfte der reinen Pflegegeldhaushalte nutzt keine weitere Leistung der Pflegeversicherung.

Ein Hindernis ist oft die Frage, wer während des Kurses die Pflege übernimmt. Die Vertretung kann über die Verhinderungspflege bezahlt werden. Dafür steht ab Pflegegrad 2 der gemeinsame Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege von bis zu 3.539 Euro zur Verfügung. Ein Beispiel: Kostet eine stundenweise Vertretung für vier Kursabende à drei Stunden 32 Euro pro Stunde, fallen 384 Euro an. Der Betrag geht vom Jahresbetrag ab, übrig bleiben 3.155 Euro.

Wo Angehörige die Kurse finden

Erste Anlaufstelle ist die eigene Pflegekasse. Die AOK bietet eine Suche nach Postleitzahl an, die Barmer eine Veranstaltungssuche für Präsenztermine. Für eine Schulung in der Wohnung ist meist die Pflegeberatung der Kasse zuständig. Auch Pflegestützpunkte und Kommunen führen Kurslisten. Die Stadt Münster etwa verweist auf Kompaktkurse an Vormittagen, Abenden und Wochenenden, darunter Angebote zur Pflege von Schwerstkranken und psychisch erkrankten älteren Menschen.

Pflegereform: Schulung zu Hause soll in der Pflegebegleitung aufgehen

Stand: 25. Oktober 2026. Das Bundeskabinett hat am 30. September den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes beschlossen. Seit dem 9. Oktober liegt er dem Bundesrat als Drucksache 587/26 vor. Die erste Lesung im Bundestag ist für den 5. November geplant.

Kernstück für Familien ist eine neue Pflegebegleitung. Nach dem Regierungsentwurf gilt der Anspruch ab dem 1. Januar 2029. Wer Pflegegeld bezieht, soll dann einmal im Jahr eine Pflegebegleitung in der Wohnung abrufen müssen. Wird der Termin nicht wahrgenommen, kann die Kasse das Pflegegeld kürzen.

Die Pflegekurse berührt das indirekt. In seinen Erläuterungen zum Referentenentwurf schreibt das Ministerium, die Pflegebegleitung werde unter anderem aus dem Teil der Pflegekurs-Ausgaben bezahlt, der bisher auf häusliche Schulungen entfällt. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) las schon den Referentenentwurf so, dass die individuelle Schulung zu Hause als eigene Leistung ausläuft. Gruppen- und Onlinekurse stellt der Entwurf nach bisheriger Auswertung nicht infrage. Bis ein Gesetz verkündet ist, gilt § 45 SGB XI unverändert.

Häufige Fragen zu Pflegekursen für Angehörige

Brauchen Angehörige für einen Pflegekurs einen Pflegegrad?

Für Gruppen- und Onlinekurse ist kein Pflegegrad nötig. Das Gesetz öffnet sie für Angehörige und alle, die sich ehrenamtlich in der Pflege engagieren wollen. Die Schulung zu Hause setzt dagegen eine konkrete Pflegesituation mit einer pflegebedürftigen Person voraus.

Wie oft kann eine Schulung zu Hause stattfinden?

§ 45 SGB XI nennt keine feste Höchstzahl. Wie viele Termine sinnvoll sind, richtet sich in der Praxis nach dem Bedarf im Haushalt. Ein neuer Termin kommt etwa in Frage, wenn sich der Zustand verschlechtert oder neue Hilfsmittel hinzukommen.

Wer zahlt die Vertretung, während Angehörige im Kurs sind?

Der Kurs selbst ist kostenlos. Für die Betreuung in dieser Zeit kann ab Pflegegrad 2 die Verhinderungspflege genutzt werden. Bezahlt wird sie aus dem gemeinsamen Jahresbetrag von bis zu 3.539 Euro.

Ab wann gibt es die neue Pflegebegleitung?

Laut Regierungsentwurf ab dem 1. Januar 2029. Beschlossen ist das noch nicht, das parlamentarische Verfahren läuft. Bis dahin bleiben Pflegekurse und Schulungen zu Hause nach geltendem Recht bestehen.

Einschätzung der Redaktion

Die Pflegekurse gehören zu den sinnvollsten Leistungen der Pflegeversicherung, und zu den unbekanntesten. Wer einmal gezeigt bekommen hat, wie man einen Menschen ohne Kraftakt im Bett dreht, schont seinen Rücken über Jahre. Die geplante Pflegebegleitung kann die Hilfe zu Hause bündeln, wenn sie gut ausgestattet wird. Bedenklich finden wir, dass die Begleitung teils aus Geld finanziert werden soll, das heute in häusliche Schulungen fließt, und erst 2029 startet. Für die Jahre bis dahin sollten die Kassen die bestehenden Kurse aktiver bewerben. Ein Rechtsanspruch nützt wenig, wenn ihn kaum jemand kennt.

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