Eine Nettorente von 1.800 Euro gilt für viele als komfortable Zielmarke fürs Alter – ist aber für die meisten Erwerbstätigen kaum realistisch. Wie schwer das Ziel tatsächlich zu erreichen ist, zeigt ein Blick auf die sogenannten Rentenpunkte, die bei der Deutschen Rentenversicherung über die Höhe der späteren Rente entscheiden. Und ausgerechnet jetzt hat sich die Rechengrundlage spürbar verändert.
Rentenwert seit Juli 2026 deutlich gestiegen
Zum 1. Juli 2026 ist der aktuelle Rentenwert um 4,24 Prozent gestiegen – von zuvor 40,79 Euro auf 42,52 Euro pro Rentenpunkt. Für eine Standardrente mit 45 Beitragsjahren bei durchschnittlichem Verdienst bedeutet das laut Bundesregierung ein Plus von rund 78 Euro im Monat.
Das verschiebt auch die Rechnung für alle, die eine Nettorente von 1.800 Euro anstreben: Weil jeder einzelne Rentenpunkt jetzt mehr wert ist, werden für dieselbe Zielrente etwas weniger Punkte benötigt als noch vor der Erhöhung.
Wie viele Punkte für 1.800 Euro netto nötig sind
Mit dem neuen Rentenwert von 42,52 Euro ergeben etwa 48 Rentenpunkte eine Bruttorente von rund 2.041 Euro. Nach Abzug der Kranken- und Pflegeversicherung (rund 11 bis 12 Prozent) bleiben davon ungefähr 1.800 Euro netto übrig, sofern keine oder nur geringe Steuern anfallen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie schnell sammelt man 48 Rentenpunkte?
So entstehen Rentenpunkte
Wer in einem Jahr genau das Durchschnittsentgelt verdient, erhält dafür exakt einen Rentenpunkt. Für 2026 wird dieses Durchschnittsentgelt voraussichtlich bei 51.944 Euro brutto liegen. Wer mehr verdient, sammelt bis zur Beitragsbemessungsgrenze entsprechend mehr Punkte pro Jahr, wer weniger verdient, entsprechend weniger.
Übersicht: So lange müsste man je nach Gehalt arbeiten
Die folgende Tabelle zeigt, wie viele Jahre bei unterschiedlichen Jahresgehältern nötig wären, um auf rund 48 Rentenpunkte und damit auf etwa 1.800 Euro Nettorente zu kommen.
| Jahresbrutto (durchgängig) | Punkte pro Jahr (ca.) | Jahre für ca. 48 Punkte | Einordnung |
|---|---|---|---|
| 27.000 Euro | 0,52 | rund 92 Jahre | Praktisch unerreichbar |
| 38.000 Euro | 0,73 | rund 66 Jahre | Selbst ein sehr langes Erwerbsleben reicht real kaum |
| 52.000 Euro (Durchschnitt) | 1,0 | 48 Jahre | Vollzeit ohne größere Lücken |
| 65.000 Euro | 1,25 | rund 38 bis 39 Jahre | Überdurchschnittliches, stabiles Einkommen |
| 85.000 Euro | 1,63 | rund 29 bis 30 Jahre | Oberes Einkommenssegment |
| ca. 101.400 Euro (Beitragsbemessungsgrenze) | ca. 1,95 | rund 24 bis 25 Jahre | Nur bei sehr hohen Einkommen realistisch |
Die Tabelle macht deutlich: Bei einem typischen Verdienst rund um den Durchschnittslohn sind fast fünf Jahrzehnte ohne größere Unterbrechung nötig, um überhaupt in die Nähe von 1.800 Euro Nettorente zu kommen.
Vier Beispielrechnungen im Detail
Durchschnittsverdienst: Bei 52.000 Euro Jahresbrutto und durchgehend einem Rentenpunkt pro Jahr werden nach 48 Arbeitsjahren rund 2.041 Euro Bruttorente erreicht, netto also ziemlich genau die angepeilten 1.800 Euro. Das entspricht einer Erwerbsbiografie etwa von 20 bis 68 Jahren ohne längere Auszeiten.
Unterdurchschnittliches Einkommen: Bei 38.000 Euro Jahresbrutto liegt der Punktewert bei rund 0,73 pro Jahr. In 40 Versicherungsjahren kommen so nur etwa 29 Punkte zusammen – eine Bruttorente von rund 1.233 Euro, netto knapp über 1.000 Euro. Eine Nettorente von 1.800 Euro ist bei dauerhaft niedrigem Einkommen aus der gesetzlichen Rente allein praktisch nicht zu schaffen.
Leicht überdurchschnittliches Einkommen: Bei 65.000 Euro Jahresbrutto und rund 1,25 Punkten pro Jahr sind nach etwa 39 Jahren – zum Beispiel von 26 bis 65 – gut 48 Punkte erreicht. Hier ist die Zielrente von 1.800 Euro netto realistisch, wenn das Einkommensniveau stabil bleibt.
Sehr hohes Einkommen: Die Beitragsbemessungsgrenze liegt 2026 bei 101.400 Euro. Oberhalb dieser Grenze werden keine zusätzlichen Rentenbeiträge fällig, damit sind knapp zwei Punkte pro Jahr das Maximum. 48 Punkte wären so bereits nach rund 25 Jahren erreicht – allerdings betrifft das nur eine kleine Gruppe mit sehr hohen Gehältern.
Warum das Ziel für die meisten so schwer erreichbar bleibt
Viele Erwerbsbiografien verlaufen nicht geradlinig: Ausbildung, Studium, Teilzeitphasen, Kindererziehung, Arbeitslosigkeit oder Minijobs senken die Jahresverdienste und damit die gesammelten Rentenpunkte spürbar. In der Praxis erreichen eine Nettorente von 1.800 Euro aus der gesetzlichen Rente vor allem Menschen mit sehr langer Vollzeitbeschäftigung, stabil überdurchschnittlichem Einkommen und wenigen unkompensierten Erwerbsunterbrechungen.
Nach der aktuellen Rechtslage gilt bis zum Jahr 2031 eine Haltelinie von 48 Prozent für das Rentenniveau, die im Rahmen des sogenannten Rentenpakets 2025 beschlossen wurde. Das sorgt zwar für eine gewisse Planungssicherheit bei der Rentenhöhe, ändert aber nichts daran, dass die Zahl der individuell erworbenen Rentenpunkte weiterhin über die tatsächliche Rentenhöhe entscheidet.
Steuern und zusätzliche Vorsorge nicht vergessen
Die hier verwendete Zielgröße von 1.800 Euro netto unterstellt, dass keine Einkommensteuer anfällt. Ob tatsächlich Steuern fällig werden, hängt vom gesamten Alterseinkommen ab – also auch von Betriebsrenten, privater Vorsorge oder Mieteinnahmen. Wer neben der gesetzlichen Rente weitere Einkünfte hat, muss entsprechend mit einer höheren Steuerlast rechnen. Eine Wunschrente von 1.800 Euro netto lässt sich deshalb in den meisten Fällen nur durch eine Kombination aus gesetzlicher Rente und zusätzlicher betrieblicher oder privater Altersvorsorge nachhaltig absichern.
Häufige Fragen zur 1.800-Euro-Rente
Wie viele Rentenpunkte braucht man für 1.800 Euro netto?
Nach dem seit Juli 2026 geltenden Rentenwert von 42,52 Euro sind dafür rund 48 Rentenpunkte nötig. Das entspricht einer Bruttorente von etwa 2.041 Euro, von der nach Abzug der Sozialabgaben ungefähr 1.800 Euro netto übrig bleiben.
Reicht ein Durchschnittsgehalt für 1.800 Euro Rente?
Ja, aber nur bei einem sehr langen, durchgehenden Erwerbsleben. Wer konstant das Durchschnittsentgelt verdient, benötigt dafür rund 48 Arbeitsjahre ohne größere Lücken, also faktisch ein komplettes Erwerbsleben von der Ausbildung bis zur Regelaltersgrenze.
Was passiert bei Erwerbsunterbrechungen?
Jede Phase mit geringerem oder keinem Einkommen – etwa durch Teilzeit, Elternzeit, Arbeitslosigkeit oder Minijobs – bremst die Punkteentwicklung. Solche Lücken lassen sich nur ausgleichen, wenn in anderen Jahren überdurchschnittlich viel verdient wird oder das Erwerbsleben entsprechend verlängert wird.
Wie wirkt sich die Rentenerhöhung 2026 auf die Zielmarke aus?
Durch die Anhebung des Rentenwerts auf 42,52 Euro zum 1. Juli 2026 ist für dieselbe Nettorente von 1.800 Euro eine etwas geringere Punktzahl nötig als zuvor. Das verkürzt die notwendige Erwerbsdauer geringfügig, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Herausforderung für Geringverdiener.
