Rente Ost und Rente West: Gleiches System, ungleiche Einkommen für Rentner im Jahr 2026

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Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Rentnerinnen und Rentner in Ostdeutschland haben im Schnitt mehrere Tausend Euro weniger Jahreseinkommen als Menschen im Westen. Besonders betroffen sind ältere Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – viele kommen trotz voller Erwerbsbiografie deutlich schlechter weg als westdeutsche Vergleichsgruppen. Das sorgt politisch für Kritik, etwa wenn von einem „skandalösen Rückstand“ und einer „fehlenden Renteneinheit“ die Rede ist. Zugleich betonen Bundesregierung und Deutsche Rentenversicherung, dass die rechtliche Angleichung der Rentenwerte längst vollzogen ist und die Unterschiede vor allem auf die Erwerbs- und Einkommensgeschichte zurückgehen.

Ausgangslage: Was die neuen Zahlen über Ost-Renten zeigen

Ausgewertet wurden nicht nur gesetzliche Renten, sondern das gesamte Nettoäquivalenzeinkommen von Menschen ab 65 Jahren – also inklusive Betriebsrenten, privater Vorsorge und anderen Einkünften. Demnach kamen Rentnerinnen und Rentner in Sachsen im Jahr 2025 im Schnitt auf 25.202 Euro, in Sachsen-Anhalt auf 25.090 Euro und in Thüringen auf 26.032 Euro.

Im Westen lag das durchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen von Menschen ab 65 Jahren bei 29.577 Euro pro Jahr – also rund 3.500 bis 4.500 Euro höher als in den genannten ostdeutschen Ländern. Hinter diesen Durchschnittswerten verbergen sich zudem erhebliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wobei ältere Frauen im Osten besonders stark benachteiligt sind.

Rentenrechtlich längst angeglichen: Ein Rentenwert für Ost und West

Rententechnisch ist die „Mauer“ im System schon gefallen: Der aktuelle Rentenwert – also der Euro-Betrag, der einem Entgeltpunkt entspricht – ist seit 1. Juli 2023 in Ost und West einheitlich. Der aktuelle Rentenwert wird nach der Rentenanpassungsformel des § 68 SGB VI bundeseinheitlich berechnet, die früher getrennte Rentenwerte Ost und West wurden entlang der Vorgaben des § 255a SGB VI stufenweise angeglichen.

Die Deutsche Rentenversicherung bestätigt, dass seit 2024/2025 für Neurentner kein unterschiedlicher Rentenwert mehr gilt: Ein Entgeltpunkt ist – unabhängig vom Wohnort – gleich viel wert, 2026 steigt dieser Wert von 40,79 Euro auf 42,52 Euro. Strukturelle Systemunterschiede bei der Berechnung der gesetzlichen Rente zwischen Ost und West bestehen damit nicht mehr.

Warum Ost-Rentner trotzdem weniger im Portemonnaie haben

Wenn der Rentenwert gleich ist, müssen die Ursachen für die Lücke woanders liegen. Fachleute nennen insbesondere:

  • Historisch niedrigere Löhne und Gehälter in Ostdeutschland, die zu weniger Entgeltpunkten führen.
  • Häufigere Unterbrechungen in der Erwerbsbiografie – etwa durch Arbeitslosigkeit oder Phasen ohne Versicherungspflicht – gerade in den 1990er- und 2000er-Jahren.
  • Geringere Verbreitung und niedrigere Leistungen betrieblicher und privater Altersvorsorge im Osten.
  • Einen höheren Anteil von Frauen in Teilzeit und klassischen „Niedriglohnbranchen“ – was die durchschnittlichen Renten zusätzlich drückt.

Der DIA-Rentenatlas 2025 zeigt etwa, dass die durchschnittlichen Altersrenten (bei 35 Versicherungsjahren) in ostdeutschen Flächenländern wie Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern am unteren Ende der bundesweiten Rangliste liegen.


Politische Reaktionen: „Skandalös“ oder erklärbar?

Medienberichte zitieren ostdeutsche Politikerinnen und Politiker, die die Unterschiede als „skandalösen Rückstand“ bezeichnen und eine echte Renteneinheit einfordern. Gemeint ist damit weniger die rechtliche Formel, sondern die praktische Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse im Alter – also die Frage, ob ostdeutsche Rentner sich im Alltag Ähnliches leisten können wie westdeutsche.

Die Bundesregierung verweist hingegen darauf, dass die Angleichung des Rentenwerts vollzogen ist und weitere Verbesserungen, etwa durch Rentenanpassungen und Stabilisierung des Rentenniveaus, allen Rentnern zugutekommen. Strukturprobleme wie niedrigere Löhne, weniger Betriebsrenten und unterschiedliche Erwerbsbiografien müssten dagegen mit arbeitsmarkt- und lohnpolitischen Maßnahmen angegangen werden.

Zahlen zur Durchschnittsrente: Regionale Unterschiede im Detail

Neben dem Nettoäquivalenzeinkommen lohnt der Blick auf die reine gesetzliche Rente. Der Rentenatlas 2025 weist für Männer mit 35 Versicherungsjahren einen bundesweiten Durchschnitt von 1.892 Euro Monatsbruttorente aus, für Frauen 1.459 Euro.

Regionale Auswertungen zeigen:

  • Die höchsten Durchschnittsrenten für Männer finden sich in westdeutschen Ländern wie Baden-Württemberg (2.013 Euro) und Nordrhein-Westfalen (2.005 Euro).
  • Die niedrigsten Durchschnittsrenten liegen in Thüringen und Sachsen-Anhalt (je rund 1.676 Euro), Mecklenburg-Vorpommern (1.682 Euro) und Sachsen (1.785 Euro).

Diese Werte bestätigen, dass das Rentenniveau im Osten trotz Angleichung des Rentenwerts systematisch niedriger bleibt – weil die zugrunde liegenden Löhne und Beitragszeiten geringer waren.

Was bedeutet das für heutige und künftige Ostrentner?

Für heutige Ostrentnerinnen und Ostrentner ist der Spielraum begrenzt: Die meisten Erwerbsjahre liegen hinter ihnen, die niedrigeren Entgeltpunkte lassen sich nur noch in Grenzen ausgleichen. Wichtig ist hier eine gründliche Überprüfung des Rentenkontos, um sicherzustellen, dass alle Zeiten – inklusive Kindererziehung, Pflege, Arbeitslosigkeit und DDR-/Übergangszeiten – korrekt erfasst sind.

Jüngere Generationen haben durch den einheitlichen Rentenwert immerhin die Sicherheit, dass ein in Ostdeutschland erarbeiteter Entgeltpunkt nicht weniger wert ist als im Westen. Entscheidend ist für sie, möglichst durchgehende und gut bezahlte Beschäftigung sowie ergänzende betriebliche und private Vorsorge aufzubauen – ansonsten droht die Fortsetzung der Ost-West-Lücke im Alterseinkommen.

Fakten zu Ostrenten und Westrenten 2026 (Tabelle)

ThemaInhalt
Durchschnittliches Jahreseinkommen 65+ OstSachsen: 25.202 Euro, Sachsen-Anhalt: 25.090 Euro, Thüringen: 26.032 Euro (Nettoäquivalenzeinkommen 2025).
Durchschnittliches Jahreseinkommen 65+ WestWestdeutsche Länder im Schnitt 29.577 Euro; Differenz zu Ostländern mehrere Tausend Euro jährlich.
Einheitlicher RentenwertSeit 1. Juli 2023 gilt ein einheitlicher aktueller Rentenwert in Ost und West; Angleichung nach § 255a SGB VI abgeschlossen.
Aktueller Rentenwert 2026Rentenwert steigt zum 1. Juli 2026 von 40,79 Euro auf 42,52 Euro pro Entgeltpunkt.
Gründe für Ost-West-LückeNiedrigere Löhne, häufiger unterbrochene Erwerbsbiografien, weniger Betriebs- und Privatrenten, höherer Anteil von Frauen mit Teilzeit/Niedriglohn im Osten.
Durchschnittsrente Männer 35 VersicherungsjahreBundesweit 1.892 Euro; in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen deutlich darunter (teils unter 1.700–1.800 Euro).
Politische BewertungKritik von Teilen der Politik („skandalöser Rückstand“), Regierung verweist auf abgeschlossene Angleichung der Rentenformel und strukturelle Ursachen.
Stand der InformationenJahr 2026; basierend auf Daten des Statistischen Bundesamts, DRV-Statistiken und Veröffentlichungen zur Rentenanpassung.

Fazit: Die Rentenformel ist gleich – die Lebensläufe sind es nicht

Die Ost-West-Rentenlücke 2026 ist kein Ergebnis eines „anderen“ Rentenrechts mehr, sondern das Ergebnis von Jahrzehnten unterschiedlich hoher Löhne, unsicherer Erwerbsverläufe und geringerer Zusatzvorsorge in Ostdeutschland. Für viele Ostrentnerinnen und Ostrentner fühlt sich das dennoch wie eine Ungerechtigkeit an, weil sie trotz voller Lebensarbeitszeit weniger zur Verfügung haben als Vergleichspersonen im Westen.

Politisch bleibt die Herausforderung, die Einkommens- und Vermögensunterschiede im Alter zu verringern – etwa durch stabile Rentenniveaus, Förderung von Betriebsrenten, gezielte Unterstützung bei niedrigen Renten und eine weitergehende Lohnangleichung. Für Einzelne ist es entscheidend, möglichst früh die eigene Vorsorgebilanz zu prüfen und – wo machbar – zusätzliche Pfeiler wie betriebliche oder private Rente aufzubauen.


Quellen

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