Während sich Bund und Länder noch bis Ende September auf den nächsten Deutschlandticket-Preis einigen müssen, ist für Millionen Menschen mit Schwerbehindertenausweis längst klar, was sie für Bus und Bahn zahlen: 104 Euro im Jahr. Die Verkehrsministerkonferenz hat im März 2026 einen Preisindex für das Deutschlandticket beschlossen, der die Kosten künftig automatisch berechnet – für Inhaber der Wertmarke bleibt die Rechnung dagegen unverändert günstig.
Die Wertmarke: Ein Nachteilsausgleich, der 2026 an Wert gewinnt
Grundlage ist Paragraf 228 des Neunten Sozialgesetzbuchs. Menschen mit den Merkzeichen G, aG, H, Bl oder Gl im Schwerbehindertenausweis haben Anspruch auf ein Beiblatt mit Wertmarke, das die unentgeltliche Beförderung in Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen und Regionalzügen ermöglicht, bundesweit und ohne weiteres Ticket. Der Eigenanteil dafür wurde zum 1. Januar 2025 von 91 auf 104 Euro pro Jahr angehoben, für ein halbes Jahr sind seither 53 Euro fällig. Für 2026 blieb eine erneute Erhöhung aus, die Beträge gelten unverändert fort.
Vollständig kostenfrei erhalten Menschen mit den Merkzeichen Bl (blind) oder H (hilflos) die Wertmarke, ebenso Beziehende bestimmter Leistungen zum Lebensunterhalt nach dem SGB II oder SGB XII, etwa Bürgergeld oder Grundsicherung. Das Bundessozialgericht hat diesen Kreis zudem erweitert: Auch schwerbehinderte Pflegeheimbewohner, die ausschließlich Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII beziehen, haben laut Urteil vom 19. September 2024 Anspruch auf die kostenfreie Wertmarke (Az. B 9 SB 2/23 R).
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👉 Jetzt als bevorzugte Quelle bei Google News speichern (⭐️ klicken)Deutschlandticket wird teurer, und die Preisfindung läuft jetzt anders
Das Deutschlandticket selbst hat seit seiner Einführung 2023 drei Preisrunden hinter sich: von 49 über 58 auf inzwischen 63 Euro im Monat, beschlossen von der Verkehrsministerkonferenz der Länder im September 2025. Neu ist, dass künftige Erhöhungen nicht mehr politisch ausgehandelt, sondern nach einer festen Formel berechnet werden. Die Verkehrsminister haben dazu Ende März 2026 in Lindau einen Kostenindex beschlossen, der sich aus Personalkosten (55 Prozent), Energiekosten (20 Prozent) und sonstigen Betriebskosten (25 Prozent) zusammensetzt. Die erste Anpassung nach diesem Verfahren greift zum 1. Januar 2027, der genaue Betrag soll spätestens Ende September 2026 feststehen. Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, rechnet dabei nicht mit einer zweistelligen Preissteigerung.
Für Inhaber der Jahreswertmarke bleibt diese Debatte folgenlos. Auf das Jahr gerechnet zahlen reguläre Nutzer des Deutschlandtickets derzeit 756 Euro, gegenüber 104 Euro für die Jahreswertmarke ein Unterschied, der sich mit jeder künftigen Preisrunde weiter vergrößern dürfte, ohne dass sich an den Regeln der Wertmarke etwas ändert.
Wer zwischen den Stühlen sitzt
Für alle, die keinen Anspruch auf die Freifahrt haben, bleibt das Deutschlandticket dagegen eine wachsende Belastung. Das trifft besonders Menschen mit geringerem Grad der Behinderung ohne die entsprechenden Merkzeichen sowie Rentnerinnen und Rentner, deren Einkommen knapp über der Grundsicherungsgrenze liegt und die deshalb weder die kostenfreie Wertmarke noch einen Sozialtarif erhalten.
Wer weder freifahrtberechtigt ist noch Bürgergeld oder Grundsicherung bezieht, ist auf regionale Sozialtarife angewiesen, und die unterscheiden sich erheblich. Das Deutschlandticket Sozial kostet je nach Bundesland zwischen rund 27,50 Euro in Hamburg und etwa 53 Euro im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. In Berlin ist seit Januar 2026 das Berlin-Ticket S für 27,50 Euro erhältlich, in Bremen das StadtTicket für 39,90 Euro, in Nürnberg das Deutschlandticket Nürnberg-Pass für 30 Euro. Eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es nicht, weil der öffentliche Nahverkehr Ländersache ist und Städte sowie Verkehrsverbünde eigene Modelle festlegen.
Der Sozialverband VdK fordert seit Langem ein bundesweit einheitliches Sozialticket für 29 Euro monatlich. Verbandspräsidentin Verena Bentele sieht angesichts der Preisentwicklung keinen Weg an einem solchen Tarif vorbei und verlangt zugleich eine dauerhafte Finanzierungszusage von Bund und Ländern. Eine bundesweite Entscheidung dazu steht bislang aus.
Preisvergleich im Überblick
| Angebot | Kosten | Wer profitiert |
|---|---|---|
| Deutschlandticket regulär | 63 Euro/Monat (756 Euro/Jahr) | Alle ohne Anspruch auf Ermäßigung |
| Jahreswertmarke | 104 Euro/Jahr | Merkzeichen G, aG, Gl (mit Eigenanteil) |
| Jahreswertmarke kostenfrei | 0 Euro | Merkzeichen H, Bl; Bürgergeld- und Grundsicherungsbeziehende |
| Deutschlandticket Sozial | 27,50 bis rund 53 Euro/Monat | Geringverdienende ohne Freifahrtanspruch |
Grenzen der Freifahrt
Die Freifahrt mit Wertmarke gilt ausschließlich im Nahverkehr, für Fernzüge wie ICE oder IC greift sie nicht. Hier helfen ermäßigte BahnCards, die Menschen mit einem Grad der Behinderung ab 70 oder mit voller Erwerbsminderungsrente bei der Deutschen Bahn beantragen können. Der Antrag auf die kostenfreie Wertmarke erfolgt zudem nicht automatisch, sondern erfordert in der Regel einen aktuellen Leistungsbescheid, den das Bundesministerium für Arbeit und Soziales beim zuständigen Versorgungsamt vorsieht.
Häufige Fragen zur Wertmarke und zum Deutschlandticket
Wer hat Anspruch auf die kostenfreie Wertmarke?
Kostenfrei erhalten die Wertmarke Menschen mit den Merkzeichen Bl oder H sowie Personen, die Bürgergeld, Grundsicherung im Alter oder Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII beziehen. Für die Merkzeichen G, aG oder Gl fällt regulär der Eigenanteil von 104 Euro pro Jahr an, sofern keine der genannten Ausnahmen zutrifft.
Gilt die Wertmarke auch im Fernverkehr?
Nein. Die unentgeltliche Beförderung nach Paragraf 228 SGB IX beschränkt sich auf den öffentlichen Personennahverkehr, also Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen sowie Regional- und S-Bahn-Verbindungen. Für Fahrten mit ICE, IC oder EC bestehen andere, separate Ermäßigungen der Deutschen Bahn.
Wie hoch wird der Deutschlandticket-Preis 2027?
Der genaue Betrag steht noch nicht fest. Die Verkehrsministerkonferenz hat im März 2026 lediglich die Berechnungsmethode beschlossen, der konkrete Preis für 2027 soll spätestens Ende September 2026 bekannt gegeben werden. Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz rechnet nicht mit einer zweistelligen Preissteigerung.
Was können Menschen ohne Freifahrtanspruch tun?
Wer weder die Wertmarke kostenfrei erhält noch Bürgergeld oder Grundsicherung bezieht, kann in vielen Regionen ein Deutschlandticket Sozial oder ein kommunales Sozialticket nutzen. Die Preise unterscheiden sich je nach Bundesland und Verkehrsverbund teils erheblich, ein Vergleich der örtlichen Angebote lohnt sich.
Der Schwerbehindertenausweis bleibt damit 2026 einer der wirksamsten Nachteilsausgleiche im deutschen Sozialrecht, vorausgesetzt, die passenden Merkzeichen sind eingetragen und die Wertmarke wird auch tatsächlich beantragt.