Ein Überprüfungsantrag auf Schwerbehinderung gilt für viele Betroffene als Chance auf einen höheren GdB, mehr Nachteilsausgleiche und eine abgesicherte Rente. Doch die vollständige Neubewertung durch das Versorgungsamt kann zu Herabstufungen, zum Verlust des Schwerbehindertenstatus und zu erheblichen finanziellen Einbußen führen – gerade bei veränderten Kriterien etwa für Diabetes oder kurz vor dem Rentenbeginn. Umso wichtiger ist es, medizinische Befunde, rechtliche Risiken und den richtigen Zeitpunkt strategisch zu prüfen. Alle Infos finden sich hier auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V..
Was ist ein Überprüfungsantrag?
Mit einem Überprüfungsantrag (auch Verschlimmerungsantrag oder Neufeststellungsantrag genannt) wird das Versorgungsamt gebeten, den bestehenden GdB oder die Merkzeichen neu zu bewerten. Ziel ist meist die Anerkennung einer Verschlechterung des Gesundheitszustands und damit ein höherer GdB oder zusätzliche Nachteilsausgleiche.
Welche Risiken bestehen?
- Komplette Neubewertung: Das Amt prüft nicht nur die neue Diagnose, sondern den gesamten Aktenstand. Dabei kann es auch zu einer Herabstufung oder sogar Aberkennung der bisherigen Schwerbehinderung kommen – selbst wenn nur ein zusätzliches Merkzeichen beantragt wird.
- Verlust wichtiger Vorteile: Wird der GdB unter 50 gesenkt, droht der Verlust des Schwerbehindertenstatus. Damit entfallen Ansprüche auf steuerliche Erleichterungen, Zusatzurlaub, besonderen Kündigungsschutz und vor allem die Möglichkeit, früher in Altersrente zu gehen.
- Finanzielle Einbußen: Besonders kritisch ist ein Überprüfungsantrag kurz vor dem geplanten Rentenbeginn. Wird die Schwerbehinderung aberkannt, kann die gesamte Rentenplanung hinfällig werden und der Anspruch auf die günstigere Altersrente für schwerbehinderte Menschen entfällt.
- Aktuelle Bewertungskriterien: Für viele Erkrankungen gelten heute andere Maßstäbe als früher. So kann es passieren, dass der bisherige GdB nach der aktuellen Rechtslage niedriger ausfällt – ein Beispiel ist Diabetes, bei dem früher ein GdB von 50 Standard war, heute aber nicht mehr automatisch vergeben wird.
Wann ist ein Überprüfungsantrag sinnvoll?
Ein Überprüfungsantrag sollte nur gestellt werden, wenn eine eindeutige und nachweisbare Verschlechterung des Gesundheitszustandes vorliegt und dies durch aktuelle medizinische Befunde belegt werden kann. Eine vorherige Beratung durch einen Fachanwalt oder Sozialverband ist dringend zu empfehlen, um Risiken individuell abzuschätzen.
Tipps für Betroffene
- Sorgfältig abwägen: Prüfen Sie, ob wirklich neue, gravierende gesundheitliche Einschränkungen vorliegen und lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten.
- Befunde sammeln: Stellen Sie sicher, dass alle medizinischen Unterlagen aktuell und aussagekräftig sind.
- Strategisch vorgehen: Wer kurz vor dem Rentenbeginn steht, sollte einen Überprüfungsantrag erst nach Bewilligung der Altersrente für schwerbehinderte Menschen stellen, um böse Überraschungen zu vermeiden.
- Beratung nutzen: Nutzen Sie die kostenlose Beratung von Sozialverbänden oder Fachanwälten, bevor Sie einen Antrag stellen.
Zusammenfassung: Überprüfungsantrag Schwerbehinderung mit negativen Folgen
Ein Überprüfungsantrag auf Schwerbehinderung kann im Einzelfall sinnvoll sein, birgt aber erhebliche Risiken. Ohne fundierte medizinische Nachweise und strategische Planung drohen der Verlust des Schwerbehindertenstatus und damit verbundene finanzielle Nachteile. Holen Sie unbedingt vor einem solchen Antrag fachlichen Rat ein, sprechen Sie mit Ihrem Arzt!
Quellen:
- Versorgungsamt / Amtliche Informationen zum Grad der Behinderung (GdB) und Nachteilsausgleichen (allgemeine Rechtsgrundlagen, GdB-Tabelle)

