Rund 21 Millionen Menschen beziehen in Deutschland eine Rente, und die geburtenstarken Jahrgänge rücken gerade nach. Mit dem Ruhestand sinkt bei den meisten das Einkommen, gleichzeitig fällt der feste Tagesrhythmus weg. Ob der Wechsel gelingt, hängt laut Altersforschung vor allem davon ab, ob er freiwillig kommt und was danach den Tag füllt.
Ruhestand ist für die Mehrheit kein Gesundheitsrisiko
Die verbreitete Vorstellung vom „Rentenloch“ deckt sich nur zum Teil mit den Daten. Das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) hat seine Befunde aus mehreren Jahren Forschung zusammengefasst. Danach ist der Übergang in den Ruhestand im Allgemeinen kein Risikofaktor für eine schlechtere Gesundheit oder ein höheres Sterberisiko. Kurz nach dem Rentenbeginn steigt die Lebenszufriedenheit im Schnitt sogar, besonders deutlich bei Menschen, die vorher arbeitslos waren.
Auch der Alltag verändert sich weniger abrupt als oft angenommen. Gesundheit und Kontakte außerhalb der Familie bleiben nach der Auswertung des DZA weitgehend stabil. Der Austausch innerhalb der Familie nimmt zu. Wer direkt aus dem Job in die Rente wechselt, ist danach in der Freizeit aktiver als vorher.
Wann der Übergang in den Ruhestand schwerer fällt
Hinter den Durchschnittswerten stehen große Unterschiede. Negative Folgen für die Gesundheit zeigt die Forschung vor allem dann, wenn Menschen früh und unfreiwillig aus dem Beruf ausscheiden, etwa nach Krankheit oder langer Arbeitslosigkeit. Der Zusammenhang bleibt laut DZA bestehen, auch wenn der Gesundheitszustand vor der Rente berücksichtigt wird.
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Bildung und Beruf wirken mit. Angestellte bewältigen den Wechsel nach eigener Einschätzung besser als Arbeiterinnen und Arbeiter. Höher Gebildete gehen gesünder ins Alter und bleiben aktiver, selbst wenn die Gesundheit nachlässt. Wer bis zum Rentenbeginn gearbeitet hat, ist auch Jahre später zufriedener.
Beim Geld zeigt sich ein gemischtes Bild. Einkommen und soziale Unterstützung gehen mit dem Ruhestand zurück. Gleichzeitig hängt die Lebenszufriedenheit im Ruhestand weniger stark vom Einkommen ab als im Erwerbsleben. Für Haushalte mit kleiner Rente ändert das wenig an steigenden Mieten oder Energiekosten.
Weiterarbeiten im Ruhestand: Aktivrente seit Januar 2026
Wer nach dem Rentenalter weiterarbeitet, profitiert seit diesem Jahr von neuen Steuerregeln. Mit dem Aktivrentengesetz bleiben bis zu 2.000 Euro Arbeitslohn im Monat steuerfrei, im Jahr also bis zu 24.000 Euro.
Begünstigt sind nach der Darstellung des Bundestags sozialversicherungspflichtig Beschäftigte jenseits der Regelaltersgrenze, für die der Arbeitgeber Beiträge zur Rentenversicherung zahlt. Ob schon eine Rente fließt oder der Rentenbeginn aufgeschoben wurde, spielt keine Rolle. Der Freibetrag greift ab dem Monat nach Erreichen der Regelaltersgrenze. Selbstständige, Beamte und Minijobber sind ausgeschlossen. Steuerfrei heißt außerdem nicht abgabenfrei: Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge fallen weiter an.
Ein Beispiel: Ein 67-jähriger früherer Haustechniker arbeitet an drei Tagen pro Woche in einer Wohnungsbaugenossenschaft und verdient 1.850 Euro brutto. Auf diesen Lohn zahlt er keine Lohnsteuer. Läge sein Verdienst bei 2.600 Euro, blieben 2.000 Euro steuerfrei, 600 Euro würden regulär versteuert.
| Regelung | Wert | gilt seit |
|---|---|---|
| Aktivrente, steuerfreier Arbeitslohn | bis 2.000 Euro im Monat | 1. Januar 2026 |
| Rentenanpassung | 4,24 Prozent | 1. Juli 2026 |
| Aktueller Rentenwert | 42,52 Euro (vorher 40,79 Euro) | 1. Juli 2026 |
| Hinzuverdienstgrenze bei Altersrenten | entfällt | 1. Januar 2023 |
Über die Wirkung wird gestritten. In der Anhörung des Finanzausschusses rechnete IAB-Forscher Enzo Weber mit 25.000 bis 33.000 zusätzlichen Vollzeitstellen. Zugleich bezifferte er die Mitnahmeeffekte auf 2,2 Milliarden Euro im Jahr, weil bereits rund 410.000 Menschen über die Regelaltersgrenze hinaus sozialversicherungspflichtig arbeiten. Der Duisburger Sozialforscher Martin Brussig verwies darauf, dass viele Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen gar nicht bis zur Altersgrenze im Job bleiben können.
Aktivrente für Selbstständige bleibt offen (Stand: 2. November 2026)
Eine Ausweitung auf Selbstständige ist derzeit nicht in Sicht. Der Petitionsausschuss des Bundestags empfahl am 14. Oktober 2026, eine entsprechende Petition abzuschließen, und verwies auf die geplante Überprüfung des Gesetzes nach zwei Jahren. Ein Gesetzentwurf liegt nicht vor. Freiberufler und Gewerbetreibende im Rentenalter versteuern ihre Gewinne damit weiter vollständig.
Was das Rentenplus vom Juli im Ruhestand bedeutet
Zum 1. Juli 2026 stiegen die gesetzlichen Renten um 4,24 Prozent. Aus einer Bruttorente von 1.300 Euro wurden 1.355,12 Euro, also 55,12 Euro mehr im Monat. Die Erhöhung lag damit über der Prognose vom Dezember, die noch von 3,73 Prozent ausgegangen war.
Häufige Fragen zum Ruhestand
Ab wann gilt der steuerfreie Hinzuverdienst der Aktivrente?
Der Freibetrag gilt ab dem Monat, der auf das Erreichen der Regelaltersgrenze folgt. Wer die Grenze im März erreicht, profitiert ab April. Der Arbeitgeber berücksichtigt den Betrag direkt beim Lohnsteuerabzug, ein gesonderter Antrag ist nicht nötig.
Wird die Altersrente gekürzt, wenn Rentner weiterarbeiten?
Nein. Bei Altersrenten gibt es seit dem 1. Januar 2023 keine Hinzuverdienstgrenzen mehr, auch nicht bei vorgezogenen Altersrenten. Anders ist es bei Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten, für die weiterhin Grenzen oder Anrechnungsregeln gelten.
Gilt die Aktivrente auch für einen Minijob?
Nein. Begünstigt ist nur eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, für die der Arbeitgeber Rentenversicherungsbeiträge zahlt. Minijobs werden unabhängig davon häufig pauschal über den Arbeitgeber versteuert.
Macht der Ruhestand einsam?
Im Durchschnitt nicht. Nach den Auswertungen des DZA verändert sich das Netzwerk außerhalb der Familie mit dem Rentenbeginn kaum, der Kontakt zur Familie nimmt sogar zu. Was wegfällt, sind die beiläufigen Begegnungen im Betrieb.
Einschätzung der Redaktion
Die Altersforschung entzaubert das Bild vom Rentenschock. Für die meisten ist der Ruhestand eine gute Zeit. Schwierig wird es für jene, die nicht freiwillig gehen: wer krank aus dem Job fällt, lange arbeitslos war oder körperlich hart gearbeitet hat. Genau diese Gruppe hat von der Aktivrente wenig, denn sie setzt voraus, dass jemand bis 67 und darüber hinaus arbeiten kann. Wer mehr Menschen gesund in einen selbst gewählten Ruhestand bringen will, muss bei den Arbeitsbedingungen vor der Rente ansetzen. Eine Steuerentlastung für die ohnehin Fitten ersetzt das nicht.