Am 4. November haben Sachverständige im Bundestag die geplante Wohngeldkürzung deutlich kritisiert. Der Paritätische Gesamtverband rechnet laut Anhörungsbericht des Bundestags mit 163.000 Haushalten, die künftig Grundsicherung bräuchten. Für Haushalte mit kleinem Einkommen ändern sich die Heizkosten 2027 an zwei Stellen: bei der Abrechnung und beim staatlichen Zuschuss.
Funkzähler-Pflicht: Frist endet am 31. Dezember 2026
Nach § 5 Absatz 3 der Heizkostenverordnung müssen bis Ende 2026 alle Heizkostenverteiler, Wärmezähler und Warmwasserzähler nachgerüstet oder ersetzt sein, die sich nur in der Wohnung ablesen lassen. Als fernablesbar gilt ein Gerät, wenn für die Ablesung niemand die Wohnung betreten muss. Neu eingebaute Geräte müssen das schon seit Dezember 2021 können. Für den Altbestand galt eine Übergangszeit von gut fünf Jahren.
Betroffen sind Gebäude mit zentraler Heizung oder zentraler Warmwasserversorgung. Wohnungen mit Gasetagenheizung fallen nicht darunter. Dasselbe gilt für Häuser mit höchstens zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer eine selbst bewohnt. Strom- und Kaltwasserzähler sind von der Frist nicht erfasst.
Die Verordnung lässt Ausnahmen zu, wenn eine Umrüstung im Einzelfall technisch nicht möglich ist oder einen unangemessenen Aufwand verursachen würde. In diesen Fällen entfällt auch das Kürzungsrecht.
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Kürzungsrecht bei den Heizkosten: drei Prozent vom eigenen Anteil
§ 12 der Heizkostenverordnung gibt Mieterinnen und Mietern das Recht, ihren Anteil an den Heiz- und Warmwasserkosten um drei Prozent zu kürzen, wenn der Vermieter die vorgeschriebene fernablesbare Technik nicht eingebaut hat. Die gleiche Kürzung ist möglich, wenn trotz Funktechnik die monatlichen Verbrauchsinformationen ausbleiben oder unvollständig sind. Kaltmiete und übrige Betriebskosten bleiben davon unberührt.
Es kommt auf den Abrechnungszeitraum an. Wird nach Kalenderjahr abgerechnet, betrifft das Kürzungsrecht erstmals die Kosten für 2027. Darüber rechnen Vermieter in der Regel im Laufe des Jahres 2028 ab. Die Abrechnung für 2026, die im Frühjahr 2027 eintrifft, fällt noch nicht darunter.
Ein Rechenbeispiel: Ein Rentnerehepaar in einem Mehrfamilienhaus trägt für 2027 Heiz- und Warmwasserkosten von 1.240 Euro. An den Heizkörpern hängen weiter die alten Verdunsterröhrchen, eine Ausnahme liegt nicht vor. Drei Prozent sind 37,20 Euro, der Anteil sinkt damit auf 1.202,80 Euro. Bei Vorauszahlungen von 1.150 Euro bleibt eine Nachzahlung von 52,80 Euro statt 90 Euro.
Die Kürzung erfolgt nicht von selbst. Mieter müssen sie gegenüber dem Vermieter geltend machen.
Wohngeld 2027: Heizkostenkomponente soll halbiert werden
Gleichzeitig will die Bundesregierung die dauerhafte Heizkostenkomponente im Wohngeld zum 1. Januar 2027 halbieren. So sieht es der Gesetzentwurf zur Vereinfachung und Fortentwicklung des Wohngeldgesetzes vor. Außerdem soll die reguläre Anpassung des Wohngeldes 2027 ausfallen. Ein Parameter der Wohngeldformel soll so geändert werden, dass Haushalte mit etwas höherem Einkommen weniger erhalten.
| Haushaltsmitglieder | Heizkostenkomponente heute | laut Entwurf ab 2027 | Heizkostenentlastung gesamt heute | laut Entwurf ab 2027 |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 96 Euro | 48 Euro | 110,40 Euro | 62,40 Euro |
| 2 | 124 Euro | 62 Euro | 142,60 Euro | 80,60 Euro |
| 3 | 148 Euro | 74 Euro | 170,20 Euro | 96,20 Euro |
| 4 | 172 Euro | 86 Euro | 197,80 Euro | 111,80 Euro |
| 5 | 196 Euro | 98 Euro | 225,40 Euro | 127,40 Euro |
Die Gesamtbeträge enthalten den unveränderten Entlastungsbetrag für den CO₂-Preis. Ausgezahlt werden diese Beträge nicht. Sie erhöhen die Miete, die die Wohngeldstelle in der Formel berücksichtigt. Sinkt dieser Wert, fällt auch das Wohngeld niedriger aus, allerdings nicht um denselben Betrag.
Nach den Modellrechnungen im Entwurf fallen rund 381.000 Haushalte ganz aus dem Wohngeld. Etwa 143.000 von ihnen wechseln voraussichtlich in die Grundsicherung nach SGB II oder SGB XII. Bund und Länder sparen 2027 beim Wohngeld jeweils 738 Millionen Euro.
Anhörung im Bundestag: Verbände warnen vor Wechsel in die Grundsicherung
Beschlossen ist die Wohngeldreform nicht (Stand: 5. November 2026). Der Bundestag hat den Entwurf am 8. Oktober in erster Lesung beraten, am 4. November folgte die Anhörung im Bauausschuss. Der Deutsche Mieterbund hält es dort für möglich, dass bis zu 500.000 Haushalte aus dem Wohngeld fallen. Er nannte Einsparungen von 40 Prozent im Wohngeldetat unverhältnismäßig. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe erwartet mehr Mietrückstände in der Übergangszeit. Landkreistag sowie Städte- und Gemeindebund begrüßten dagegen, dass sich das Wohngeld stärker auf besonders bedürftige Haushalte konzentrieren soll.
Nach dem Bundestag muss der Bundesrat zustimmen. In seiner Stellungnahme hatte er gewarnt, dass mehr Haushalte mit geringem Einkommen auf Grundsicherung angewiesen sein könnten.
Laufende Wohngeldbescheide bleiben vorerst geschützt
Der Entwurf enthält eine Übergangsregel. Wohngeld, das vor dem 1. Januar 2027 bewilligt wurde, bleibt bis zum Ende des Bewilligungszeitraums in der bisherigen Höhe. Ausgenommen sind Fälle, in denen sich Einkommen oder Haushalt wesentlich ändern. Ist über einen Antrag Ende 2026 noch nicht entschieden und ergäbe das neue Recht weniger Wohngeld, bleibt es beim höheren Betrag für Dezember 2026. Für viele Haushalte wird eine Kürzung deshalb erst mit dem nächsten Weiterbewilligungsantrag spürbar.
Häufige Fragen zu Heizkosten und Wohngeld 2027
Ab wann dürfen Mieter die Heizkostenabrechnung um 3 Prozent kürzen?
Das Kürzungsrecht wegen fehlender Fernablesbarkeit betrifft Abrechnungszeiträume ab 2027. Bei einer Abrechnung nach Kalenderjahr ist das die Abrechnung für 2027, die meist 2028 zugestellt wird. Gekürzt wird nur der Anteil an den Heiz- und Warmwasserkosten.
Woran lässt sich erkennen, ob ein Heizungszähler fernablesbar ist?
Hinweise sind ein Funkmodul, ein Antennensymbol oder ein Herstellerhinweis auf dem Display. Ältere Heizkostenverteiler mit Verdunsterröhrchen sind nicht fernablesbar. Muss der Ablesedienst die Wohnung betreten, erfüllt das Gerät die neue Vorgabe in der Regel nicht.
Wie viel Wohngeld fällt durch die halbierte Heizkostenkomponente weg?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Bei einem Einpersonenhaushalt sinkt der berücksichtigte Heizkostenbetrag laut Entwurf um 48 Euro, das Wohngeld selbst sinkt in der Regel um weniger. Wie hoch der Verlust ausfällt, hängt von Einkommen, Miete und Mietenstufe ab.
Was passiert, wenn der Wohngeldanspruch 2027 ganz entfällt?
Dann kann ein Anspruch auf Grundsicherung nach SGB II oder auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bestehen. Dort werden Miete und Heizkosten in angemessener Höhe übernommen. Familien verlieren mit dem Wohngeld auch den Anspruch auf den Kinderzuschlag.
Einschätzung der Redaktion
Das Kürzungsrecht bei den Heizkosten setzt eine Frist durch, die seit fast fünf Jahren bekannt ist. Für einzelne Haushalte geht es dabei meist um zweistellige Beträge. Beim Wohngeld stehen dagegen Zuschüsse auf dem Spiel, die für viele Rentnerinnen, Rentner und Familien den Unterschied zwischen eigenständigem Wohnen und Grundsicherung ausmachen. Der Entwurf zeigt selbst, dass ein Teil der Ersparnis über höhere Ausgaben in der Grundsicherung wieder abfließt. Hinzu kommen Verwaltungsaufwand und Wartezeiten beim Wechsel zwischen den Systemen. Eine Kürzung ausgerechnet bei der Heizkostenhilfe passt schlecht zu dem Ziel, Haushalte mit geringem Einkommen vor hohen Energiekosten zu schützen.
- Quellenangaben