Eine neu angemietete Wohnung kostete in Nordrhein-Westfalen 2014 im Mittel 6,15 Euro kalt pro Quadratmeter, 2025 waren es 9,35 Euro. Die Mieten in NRW sind damit laut einer Datenanalyse des WDR um 52 Prozent gestiegen, die mittleren Bruttolöhne um rund 34 Prozent. Für Haushalte mit Grundsicherungsgeld wird die Wohnungssuche dadurch noch enger.
Mieten in NRW: Was der WDR-Rechner auswertet
Der WDR hat am 4. November einen Mietenrechner für 379 der 396 Städte und Gemeinden im Land veröffentlicht. Grundlage sind rund 138.000 Inserate für Wohnungen und Häuser aus dem ersten Halbjahr 2026. Die Daten stammen vom Anbieter VALUE Marktdaten. In den Vergleich kamen nur Orte mit mindestens 30 Angeboten.
Der Rechner arbeitet mit dem Median. Die eine Hälfte der Angebote liegt darüber, die andere darunter. Er ist kein Mietspiegel. Er zeigt, welche Kaltmiete bei Neu- und Wiedervermietung auf den Portalen verlangt wurde, nicht, was in bestehenden Verträgen gezahlt wird.
Wohnfläche pro Euro: Köln und Sauerland liegen weit auseinander
Für 800 Euro Kaltmiete gibt es in Köln rechnerisch 52 Quadratmeter, in den Nachbargemeinden 59 bis 71. In Münster sind es 57 Quadratmeter, im Umland 73 bis 83. Gelsenkirchen kommt auf 108 Quadratmeter, Altena im Sauerland auf rund 130. Selbst im Speckgürtel der Rheinstädte, etwa in Neuss, Hennef oder Erftstadt, gibt es für dasselbe Geld weniger Fläche als in Paderborn oder Bielefeld.
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Noch größer wird der Abstand auf Straßenebene. Am Albertussee in Düsseldorf-Heerdt, einem neuen Wohnquartier, liegt der Quadratmeter im Mittel bei knapp 25 Euro. Die Güntherstraße in Dortmund kommt auf 3,86 Euro.
Viele Leistungsberechtigte haben deutlich weniger als 800 Euro Kaltmiete zur Verfügung. Die Redaktion hat die WDR-Werte deshalb auf ein Budget von 550 Euro umgerechnet. Die Quadratmeterpreise sind aus den veröffentlichten Flächen abgeleitet und gerundet.
| Ort | Fläche für 800 Euro (WDR) | Abgeleiteter Preis pro m² | Fläche für 550 Euro |
|---|---|---|---|
| Köln | 52 m² | ca. 15,40 Euro | ca. 36 m² |
| Münster | 57 m² | ca. 14,00 Euro | ca. 39 m² |
| NRW-Mittel 2025 | 86 m² | 9,35 Euro | ca. 59 m² |
| Gelsenkirchen | 108 m² | ca. 7,40 Euro | ca. 74 m² |
| Altena | rund 130 m² | ca. 6,15 Euro | ca. 89 m² |
Löhne halten mit den Mieten in NRW nicht Schritt
Die Zeitreihe des WDR beruht auf mehr als drei Millionen Inseraten seit 2014. In keinem Jahr sank die Angebotsmiete, auch nicht während der Pandemie. Wer 2014 für eine neue Wohnung 600 Euro kalt einplante, bekam im Landesmittel knapp 98 Quadratmeter. 2025 reichte derselbe Betrag für rund 64 Quadratmeter.
Das mittlere Bruttogehalt von Vollzeitbeschäftigten stieg im selben Zeitraum von knapp 3.150 auf 4.231 Euro. Die Verbraucherpreise legten um 29 Prozent zu. Wer heute denselben Anteil seines Einkommens für die Miete ausgibt wie 2014, bekommt laut WDR gut zehn Prozent weniger Fläche. In den Jahren 2024 und 2025 stiegen die Gehälter allerdings etwas stärker als die Mieten.
Grundsicherungsgeld: Deckel gilt schon in der Karenzzeit
Für Haushalte im Leistungsbezug kommt seit dem 1. Juli 2026 eine strengere Regel hinzu. Die einjährige Karenzzeit beim Grundsicherungsgeld besteht weiter. Unterkunftskosten oberhalb der örtlichen Angemessenheitsgrenze werden darin aber nur noch bis zum 1,5-Fachen dieses Werts anerkannt. Nach einem Infoblatt der Stadt Geseke greift dieser Deckel auch während der sechsmonatigen Kostensenkungsfrist. Ausnahmen gelten, wenn höhere Kosten unabweisbar sind oder minderjährige Kinder im Haushalt leben.
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Eine Kommune setzt für eine Person 560 Euro Bruttokaltmiete als angemessen an. Der Deckel liegt dann bei 840 Euro. Eine alleinstehende Frau wohnt in Köln auf 48 Quadratmetern zu 15,40 Euro kalt, also 739,20 Euro. Hinzu kommen 124,80 Euro kalte Nebenkosten. Die Bruttokaltmiete beträgt damit 864 Euro. Stellt sie nach einem Jobverlust erstmals einen Antrag, fehlen ihr in der Karenzzeit monatlich 24 Euro. Nach Ablauf aller Fristen erkennt das Jobcenter nur noch 560 Euro an, die Lücke wächst auf 304 Euro.
Was die Daten für Umzüge im Leistungsbezug bedeuten
Bei einem Umzug während des Leistungsbezugs hilft die Karenzzeit in der Regel nicht. Dann zählt die örtliche Angemessenheitsgrenze, und das Gesetz sieht vor Abschluss des Mietvertrags eine Zusicherung des Jobcenters vor. Die WDR-Daten zeigen, wo dieser Spielraum am kleinsten ist: in Köln, Düsseldorf, Bonn und ihrem Umland. Im Ruhrgebiet liegen die Angebotsmieten der Großstädte näher an dem, was kleine Haushalte zahlen können. Ergänzende Marktdaten für jede Kommune veröffentlicht die NRW.BANK in ihren Wohnungsmarktprofilen.
Häufige Fragen zu Mieten in NRW und Grundsicherung
Wie viel Wohnfläche gibt es in NRW für 800 Euro Kaltmiete?
Das hängt stark vom Ort ab. Nach dem WDR-Rechner reicht der Betrag in Köln für 52 Quadratmeter, in Gelsenkirchen für 108 und in Altena für rund 130. Grundlage sind Angebotsmieten aus dem ersten Halbjahr 2026.
Übernimmt das Jobcenter in der Karenzzeit noch die volle Miete?
Seit Juli 2026 nur bis zum 1,5-Fachen der örtlichen Angemessenheitsgrenze. Mieten darunter werden in der Karenzzeit vollständig anerkannt. Höhere Kosten können bei Unabweisbarkeit oder mit minderjährigen Kindern im Haushalt anerkannt werden.
Sind die WDR-Werte eine Grundlage für Mietobergrenzen?
Nein. Die Werte beschreiben verlangte Kaltmieten in Inseraten. Jobcenter legen Angemessenheitsgrenzen nach eigenen kommunalen Konzepten fest, Vermieter richten sich rechtlich nach der ortsüblichen Vergleichsmiete.
Was gilt bei einem Umzug mit Grundsicherungsgeld?
Vor Vertragsabschluss ist eine Zusicherung des Jobcenters vorgesehen. Liegt die neue Miete über der örtlichen Grenze, wird in der Regel nur der angemessene Betrag übernommen. Die Differenz müssen Leistungsberechtigte dann aus dem Regelbedarf tragen.
Einschätzung der Redaktion
Die WDR-Auswertung zeigt in Zahlen, was viele Wohnungssuchende längst erleben. Für Menschen im Grundsicherungsgeld ist die Lage besonders schwierig. Sie müssen mit Angemessenheitsgrenzen auskommen, die oft auf Bestandsmieten beruhen, während neue Wohnungen zu Angebotspreisen vermietet werden. In Köln oder Düsseldorf passt das kaum noch zusammen. Der neue Deckel in der Karenzzeit verschärft diesen Abstand für alle, die in teuren Städten ihre Arbeit verlieren. Kommunen sollten ihre Richtwerte deshalb regelmäßig an aktuellen Marktdaten messen. Sonst wächst die Zahl der Haushalte, die einen Teil ihrer Miete aus dem Regelbedarf zahlen.