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Bürgergeld‑Reform 2026: Was BA‑Chefin Nahles zur neuen Grundsicherung sagt

Die Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, bewertet die geplante Bürgergeld‑Reform grundsätzlich positiv, warnt aber zugleich vor überzogenen Erwartungen an die neue Grundsicherung. Sie begrüßt schärfere Sanktionen und mehr Mitwirkungspflichten, macht aber klar, dass ohne wirtschaftlichen Aufschwung allein die Reform die Lage am Arbeitsmarkt nicht drehen wird. Was sie genau sagt, lesen Sie in folgendem Artikel auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e.V.!

Hintergrund: Von Bürgergeld zur neuen Grundsicherung

Die Bundesregierung will das bisherige Bürgergeld ab Sommer 2026 durch eine „neue Grundsicherung“ ersetzen, teilweise auch als Grundsicherungsgeld bezeichnet. Geplant sind härtere Sanktionen, strengere Mitwirkungspflichten, eine Rückkehr zum Vermittlungsvorrang sowie Einschnitte bei Schonvermögen und Wohnkosten.

Nach dem Gesetzentwurf soll die Leistung künftig stärker an Pflichten geknüpft sein: Wer Termine versäumt, sich nicht bewirbt oder Maßnahmen abbricht, muss mit schnellen und deutlichen Kürzungen rechnen. Gleichzeitig soll der Name „Bürgergeld“ gestrichen und durch die neue Grundsicherung ersetzt werden, um politisch einen klaren Schnitt zu markieren.

Was Nahles an der Reform ausdrücklich begrüßt

Andrea Nahles unterstützt den Grundkurs, die Regeln für Leistungsbeziehende wieder zu verschärfen.​

  • Sie hält es für richtig, Sanktionen zu schärfen und den Jobcentern „wieder mehr Möglichkeiten an die Hand“ zu geben, um Mitwirkungspflichten durchzusetzen.
  • Positiv bewertet sie, dass von den „Kunden“ wieder mehr Mitwirkung verlangt wird und klare Regeln beim Sanktionssystem vorgesehen sind.

Auch die neue Grundsicherung insgesamt wird aus Sicht der BA positiv gesehen, weil sie stärker auf Verbindlichkeit, Eigenverantwortung und Mitwirkung setzt. Nahles betont, dass effektive Sanktionsmöglichkeiten und klare Pflichten wichtig sind, um Menschen zur Aufnahme oder Suche einer Arbeit zu motivieren.

Wo die BA‑Chefin deutliche Grenzen und Risiken sieht

Trotz der Zustimmung zu härteren Regeln warnt Nahles vor der Illusion, allein mit Sanktionen oder Vermittlungsvorrang lasse sich der Arbeitsmarkt drehen.

  • Sie macht klar, dass ohne wirtschaftlichen Aufschwung auch eine verschärfte Grundsicherung keine Wende bringt und dass der Arbeitsmarkt derzeit „nahezu bewegungslos“ sei.
  • Besonders kritisch sieht sie den geplanten Vermittlungsvorrang, der schnelle Vermittlung in irgendeinen Job vor Qualifizierung stellen kann.

Nach ihrer Einschätzung passt die Qualifikation vieler Arbeitsloser häufig nicht zu den offenen Stellen, sodass bloße Vermittlungspriorität an der Passung wenig ändert. Qualifizierung bleibe deshalb zentral, sonst stünden Menschen nach kurzer Zeit wieder beim Jobcenter.

Neue Grundsicherung: Was sich für Betroffene ändert

Aus den politischen Plänen und der Einordnung der BA‑Chefin lassen sich zentrale Konsequenzen für Leistungsbeziehende ableiten.

Strengere Sanktionen und Pflichten

  • Wer sich nicht bewirbt, Maßnahmen abbricht oder ab dem zweiten versäumten Termin im Jobcenter seiner Mitwirkungspflicht nicht nachkommt, muss mit Kürzungen von bis zu 30 Prozent des Regelbedarfs für mehrere Monate rechnen.
  • Die neue Grundsicherung setzt klar auf mehr Verbindlichkeit und fordert von erwerbsfähigen Personen, ihre Arbeitskraft „im maximal zumutbaren Umfang“ einzusetzen, insbesondere bei Alleinstehenden eine Vollzeittätigkeit.

Vermögen, Wohnkosten und Schutz besonders belasteter Personen

  • Die bisherige Karenzzeit beim Vermögenseinsatz soll wegfallen, Schonvermögen wird stärker nach Alter gestaffelt und enger begrenzt, sodass Betroffene schneller auf Ersparnisse zugreifen müssen.​
  • Die Wohnkosten sollen nicht mehr pauschal im ersten Jahr vollständig übernommen werden, sondern nur noch bis zu einer von den Kommunen definierten Angemessenheitsgrenze plus Zuschlag.
  • Gleichzeitig wird betont, dass Menschen, die krank sind oder aus anderen Gründen nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen können, ausdrücklich vor Sanktionen geschützt werden sollen.

Einordnung: Was Nahles’ Haltung für die Praxis bedeutet

Für Jobcenter und Leistungsbeziehende sendet Nahles’ Linie ein gemischtes Signal: mehr Druck durch Sanktionen, aber auch der Hinweis, dass strukturelle Probleme des Arbeitsmarkts nicht ignoriert werden dürfen.

  • Jobcenter bekommen mehr rechtliche Handhabe, müssen aber laut Nahles gleichzeitig stärker auf Qualifizierung und passgenaue Vermittlung achten, um keine Drehtür‑Effekte zu erzeugen.
  • Für Bürgergeld‑Beziehende bedeutet die neue Grundsicherung: Pflichten ernster nehmen, Bewerbungsaktivitäten dokumentieren, Qualifizierungsangebote nutzen – und rechtzeitig prüfen, ob Miete, Vermögen und gesundheitliche Einschränkungen korrekt im Bescheid berücksichtigt sind.

Redakteure

  • ik

    Sozialrechtsexperte und Redakteur

    Ingo Kosick ist ein renommierter Experte im Bereich des Sozialrechts in Deutschland. Er engagiert sich seit über 30 Jahren in diesem Feld und hat sich als führende Autorität etabliert. Als Vorsitzender des Vereins "Für soziales Leben e.V.", der 2005 in Lüdinghausen gegründet wurde, setzt er sich für die Unterstützung von Menschen ein, die von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Verein bietet über das Internet Informationen, Beratung und Unterstützung für sozial benachteiligte Menschen an.

    Ingo Kosick ist zudem Autor und Redakteur beim Nachrichtenmagazin Bürger & Geld, das der Verein "Für soziales Leben e.V." herausgibt. Ingo hat sich auf Themen wie Bürgergeld, Sozialleistungen, Rente und Kindergrundsicherung spezialisiert. Seine Artikel bieten fundierte Analysen und rechtlich aufgearbeitete Informationen, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen sollen.

    Durch seine langjährige Erfahrung und sein Engagement hat Ingo Kosick maßgeblich dazu beigetragen, dass sozial benachteiligte Menschen in Deutschland besser informiert und unterstützt werden können.

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  • Peter Kosick
    Experte:

    Jurist und Redakteur

    Peter Kosick hat an der Universität Münster Rechtswissenschaften studiert und beide juristische Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen mit Erfolg abgelegt. Er arbeitet als freiberuflicher Jurist, ist Autor verschiedener Publikationen und hält Vorträge im Bereich Arbeits- und Sozialrecht. Seit mehr als 30 Jahren engagiert er sich im sozialen Bereich und ist seit der Gründung des Vereins "Für soziales Leben e.V." dort Mitglied. Peter Kosick arbeitet in der Online Redaktion des Nachrichtenmagazins Bürger & Geld, das der Verein herausgibt und ist der CvD. Seinen Artikeln sieht man an, dass sie sich auf ein fundiertes juristisches Fachwissen gründen.

    Peter hat ebenfalls ein Herz für die Natur, ist gern "draußen" und setzt sich für den Schutz der Umwelt ein.

    Seine Arbeit im Redaktionsteam von Bürger & Geld gibt ihm das Gefühl,  etwas Gutes für das Gemeinwohl zu tun.

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