Bürgergeld und 49 Euro Ticket – geht das?

Für viele Menschen war es ein Segen: das 9 Euro Ticket, mit dem man für 9 Euro im Monat in allen öffentlichen Verkehrsmitteln durch ganz Deutschland reisen durfte. Leider galt diese Regelung nur in den drei Sommermonaten. Ein Erfolg für den öffentlichen Nachverkehr war es dennoch. 

Gegenwärtig wird um ein Nachfolgemodell gerungen. Ein 49 Euro Ticket ist im Gespräch. Es soll genauso wie das 9 Euro Ticket nutzbar sein. Nachteil: es kostet 40 Euro mehr als das erfolgreiche Vorgängerticket. Und klar – hier liegt das Problem: der Preis scheint zu hoch zu sein.  

Kann ein Bürgergeld–Bezieher sich das 49 Euro Ticket leisten? 

Die Frage, die sich für Bezieher des künftigen Bürgergelds auftut: könnte ich mir das 49 Euro Ticket leisten? 

Die Antwort lautet: grundsätzlich ja, da der Regelsatz den Bürgergeld-Beziehern zur freien Verfügung steht. Man kann mit dem Regelsatz machen, was man will, er ist nicht zweckgebunden. Allerdings setzt sich der Regelsatz aus einzelnen Bedarfen zusammen. So ist für die Rubrik Verkehr ein Anteil von 8,97 % am Gesamtregelsatz vorgesehen. Das wäre nach dem vorgesehenen Eckregelsatz für 2023 von insgesamt 502 Euro ein Anteil von 45,02 Euro.  Nach dieser Rechnung und Betrachtungsweise kann sich ein Bürgergeld-Bezieher der Regelbedarfsstufe 1 das 49 Euro Ticket nicht ohne weiteres leisten. Ein Bürgergeld-Bezieher der anderen Regelbedarfsstufen erst recht nicht, da diese eine geringere Euro-Summe als Regelsatz bzw. Regelbedarf zur Verfügung stellen. 

Ein Bürgergeld-Bezieher, der sich das 49 Euro Ticket kaufen wollte, müsste also Geld in anderen Bereichen des Regelbedarfs einsparen. Das ist allerdings vom Grundprinzip her nicht möglich, da es sich beim Regelsatz um das sozio-kulturelle Existenzminimum handelt. Das Bürgergeld soll eine soziale Teilhabe ermöglichen. Weniger geht also nicht, zumindest der Theorie nach.  

Sozialverbände für 29 Euro Ticket

Der Sozialverband VdK erklärte beispielsweise, ein 49 Euro Ticket würde keine soziale Teilhabe leisten können, nur einen Beitrag zur Mobilitätswende. Er präferiert ein 29 Euro Monatsticket. 

Problematisch bei einem – wie auch immer preislich gestalteten – Ticket sei zudem, dass das Ticket – voraussichtlich – ausschließlich digital erhältlich sein soll. Das würde u. U. ärmere Menschen ohne Smartphone, Behinderte und Senioren ausschließen.   

Greenpeace rechnet vor 

Greenpeace spricht sich ebenfalls gegen ein 49-Euro-Ticket und für ein 29-Euro-Ticket aus. Letzteres wäre für den Staat nicht unbedingt teurer. Denn: ein niedrigerer Kaufpreis würde fast doppelt so viele Menschen ein solches Ticket kaufen lassen. Durch höhere Verkaufszahlen ließen sich die Kosten genauso decken, wie durch höhere Preise. Das leuchtet ein: Wenn ein Zug nur halbvoll ist, müssten die Passagiere – um die Kosten zu decken – doppelt so viel zahlen wie die Passagiere eines ausgebuchten Zuges.  

Sabine M.

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