In sozialen Netzwerken kursieren derzeit Videos und Posts, die Alleinerziehenden eine „Sonderrente“ von 1.250 Euro im Monat und Müttern einen automatischen Bonus von 200 Euro versprechen – angeblich ohne Antrag und bereits gesetzlich garantiert. Die Meldungen verbreiten sich rasant, schüren Erwartungen und verunsichern gleichzeitig viele Familien, die auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Der Faktencheck ordnet die viralen Behauptungen ein, erklärt die tatsächliche Rechtslage zu Bürgergeld, Kinderzuschlag, Mütterrente, Mehrbedarf und steuerlichen Entlastungen und zeigt, welche Leistungen realistisch sind – alle Infos finden sich hier auf Bürger & Geld, dem Nachrichtenmagazin des Vereins Für soziales Leben e. V..
Faktencheck: Besteht Anspruch auf 1.250€ Sonderrente für Alleinerziehende?
Virale Behauptung und Reaktion der Sozialversicherung
Die sogenannte „Sonderrente von 1.250€ für Alleinerziehende ohne Antrag“ ist nachweislich eine Falschmeldung. Weder das Sozialgesetzbuch VI (SGB VI) noch eine andere Sozialleistung sieht eine pauschale monatliche Sonderzahlung in dieser Höhe vor – dies bestätigt die Deutsche Rentenversicherung. Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung hängen ausschließlich von persönlich erworbenen Rentenpunkten ab. Ein pauschaler „Rentenbonus“ für Alleinerziehende oder Mütter existiert nicht.
Was bekommen Alleinerziehende tatsächlich?
- Mehrbedarf im SGB II (Bürgergeld): Alleinerziehende erhalten einen Mehrbedarf-Aufschlag zum Bürgergeld, je nach Anzahl und Alter der Kinder – meist zwischen 67€ und 337€ pro Monat, aber niemals pauschal 1.250€ und immer nur nach Antrag.
- Kinderzuschlag: Geringverdienende Alleinerziehende können bis zu 297€ Kinderzuschlag monatlich und 255€ Kindergeld erhalten, ebenfalls nur nach Antrag.
- Unterhaltsvorschuss: Alleinerziehende, die keinen Unterhalt erhalten, können einen Unterhaltsvorschuss beantragen.
Steuerliche Entlastungen
Alleinerziehende erhalten einen Entlastungsbetrag von 4.260€ jährlich (plus 240€ für jedes weitere Kind) – als steuerliche Vergünstigung, nicht als monatliche Zahlung.
Faktencheck: 200€ „automatische Sonderzahlung“ für Mütter
Auch diese Meldung ist irreführend: Es gibt keine pauschal-automatische Sonderzahlung von 200€ für Mütter.
- Mütterrente: Die sogenannte Mütterrente ist ein Begriff für die Anerkennung von Erziehungszeiten in der Rentenversicherung. Seit 2025 bringt sie bei der Rente einen Aufschlag pro Kind (rund 118€/Monat), aber das ist kein direkter Zuschuss, sondern nur ein Vorteil bei Berechnung der Altersrente – und muss beantragt werden.
- Familienleistungen: Aktuelle staatliche Zuschläge wie Kindergeld (255€/Monat), Kinderzuschlag (bis zu 297€) oder andere Unterstützungen werden weiterhin ausgezahlt – aber keines davon ist eine „neue“ 200€-Sonderzahlung, die automatisch an Mütter geht. Neue Zuschüsse oder Sofortzahlungen sind 2025 nicht eingeführt worden.
Keine automatischen Zahlungen ohne Antrag: Was gilt wirklich?
Alle wesentlichen Sozialleistungen wie Bürgergeld, Kinderzuschlag, Mütterrente, Unterhaltsvorschuss oder Mehrbedarfe müssen weiterhin beantragt werden. Soziale Sonderregelungen für Alleinerziehende und Mütter gibt es nur im jeweiligen Rechtsrahmen und immer nach Prüfung der individuellen Voraussetzungen. Die Verwaltung prüft alle Ansprüche – automatische Zahlungen, wie sie in Social Media versprochen werden, gibt es nicht.
Fazit
Die Behauptung, 2025 gäbe es neue pauschale Sonderzahlungen („1.250€ Rente für Alleinerziehende ganz ohne Antrag“, „200€ monatlich für Mütter automatisch“), ist nachweislich falsch. Die gesetzlichen Grundlagen bleiben unverändert: Soziale Leistungen müssen beantragt und individuell geprüft werden. Aber es gibt zahlreiche Zuschüsse wie Kinderzuschlag, Kindergeld, Mehrbedarf und steuerliche Entlastungen, die Familien und Alleinerziehende real entlasten – wenn alle Regeln beachtet werden und die Anträge korrekt gestellt sind. Sozialleistungen entwickeln sich weiter, aber die viralen Versprechen sind kein Ersatz für echte Information. Wer Klarheit sucht, bleibt am besten bei verlässlichen Quellen wie Bürger & Geld und informiert sich regelmäßig.


