Kinder und Bürgergeld – Reicht das Geld?

Mit der Einführung des neuen Bürgergeldes sollte es in erster Linie mehr soziale Gerechtigkeit geben. Doch für viele Kinderschutzverbände ist das Bürgergeld ein reiner Etikettenschwindel, der die Kinderarmut in Deutschland nicht bekämpfen wird. Selbst die Grüne Jugend fordert mehr Geld für Kinder und Jugendliche. Außerdem fragen sich die Wähler, wann die versprochene Kindergrundsicherung endlich auf den Weg gebracht wird.

Bekämpft das Bürgergeld die Kinderarmut?

Auf den ersten Blick sieht alles ganz annehmbar aus. Mit der Einführung des Bürgergeldes erhalten Hartz-IV-Empfänger knapp 50 Euro mehr pro Monat. Auch Kinder finden im neuen Bürgergeld mehr Berücksichtigung. Abhängig von den Umständen kann der monatliche Betrag bis zu 100 Euro ansteigen. Auf den zweiten Blick ist das Plus im Portemonnaie aber eigentlich nur eine Erhöhung, die an die Inflation angepasst ist. Letztlich bleibt auch mit der Einführung des neuen Bürgergeldes kein Geld über. Die Inflation ist stark angestiegen und ein Ende ist nicht in Sicht. Hinzu kommen explodierende Lebensmittelpreise und Energiekosten. Das zusätzliche Geld dient nur dazu, die Mehrkosten zu decken. Kinder holt man damit nicht aus der Armut.

Die Situation in Deutschland ist alarmierend

Analysen des Kinderschutzbundes besagen, dass in Deutschland jeder dritte Bürgergeld-Empfänger ein Kind ist. Diese Zahlen sind erschreckend, wenn man bedenkt, dass ihr Anteil nur etwa 16 % der deutschen Gesamtbevölkerung abdeckt. Eigentlich müssten solche Zahlen Politiker aufrütteln, insbesondere bei einer sozialdemokratisch geführten Regierung. Zahlreiche Familien sind nicht in der Lage, ihren Kindern ein annehmbares Leben zu gestalten. Zahlreiche Studien verdeutlichen, dass Kinder von Hartz-IV-Empfänger sozial ausgeschlossen sind. Hier geht es gar nicht mehr darum, den Kindern ein neues Smartphone oder angesagte Sneakers zu kaufen. Diese Kinder haben noch nicht einmal ein paar vernünftige Schuhe. Unabhängig von guten Schulnoten wird den Kindern den Weg in eine höhere Schulbildung erschwert. Schon jetzt haben viele Hartz-IV-Empfänger ernste finanzielle Probleme. Sollte die Kostensteigerung nicht gestoppt werden, dann werden diese Menschen entscheiden müssen, ob sie lieber hungern oder frieren. Diese Zustände sind unerträglich

Mangelernährung und Entwicklungsdefizite bei Kindern

Sozialverbände beklagen schon seit Jahren, dass die Regelsätze viel zu niedrig sind und nicht ordnungsgemäß angepasst wurden. Kritiker sprechen sogar davon, dass fehlerhafte Berechnungen oft methodisch sind. Auch mit dem neuen Bürgergeld wird es kaum Veränderungen geben. Zwar sollen Sanktionen jetzt nur noch selten ausgesprochen werden, aber dadurch wird der Mehrbedarf nicht gedeckt. Es hat eher den Anschein als wollen Politiker damit ihr Gewissen beruhigen. Sie sollten sich besser einmal mit dem realen Leben dieser Menschen auseinandersetzen. Arme Kinder sind sozial isoliert. Studien belegen, dass sie einer ständigen Mangelernährung ausgesetzt sind und viel öfter Entwicklungsdefizite aufweisen als andere Kinder. Paritätische Verbände haben errechnet, dass diese Kinder pro Monat mindestens 670 Euro erhalten sollten, um der Armut zu entkommen. Diese Berechnungen stammen aber noch aus der Zeit vor Corona. Unter Berücksichtigung der Folgen der Pandemie und des Ukraine-Krieges ist der Bedarfssatz noch höher anzurechnen. Kein Wunder, dass Sozialverbände und viele Gewerkschaften einen Regelsatz fordern, der die Armut nachweislich verhindert.

Kinderarmut ist eine Gefahr für die Gesundheit

Auch mit der Einführung des neuen Bürgergeldes werden Kinder keinen Zugriff auf gesunde Lebensmittel haben. Die Preise steigen immer weiter an und gerade der Kauf von frischem Obst und Gemüse ist für viele Menschen unerschwinglich. Dabei sollten gerade Kinder und Jugendliche sich gesund und vollwertig ernähren. Studien der Heinrich-Böll-Stiftung stellten eindeutig fest, dass Armut ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko darstellt. Den Kindern fehlen lebenswichtige Nährstoffe. Eine tägliche Versorgung mit Obst ist nahezu unmöglich. Die Kinder können froh sein, wenn sie wenigstens einmal pro Woche Zugriff auf frische Lebensmittel haben. Das neue Bürgergeld wird diese traurigen Zustände nicht verhindern können. Durch den falschen Lebensstil werden die Kinder krank. Zudem ergeben weitere Studien, dass gerade von Armut betroffene Kinder oft übergewichtig sind. Das Robert Koch-Institut gab schon im Jahr 2018 alarmierende Daten bekannt. Demnach sind sozial schwache Kinder mindestens dreimal häufiger von Übergewicht betroffen.

Abschließend kann man feststellen, dass das neue Bürgergeld noch nicht einmal ansatzweise die Kinderarmut in Deutschland bekämpfen wird. Die Ampel muss hier schnellstens ihrer sozialen Verantwortung nachkommen und Abhilfe schaffen. Es ist an der Zeit, die Einführung der Kindergrundsicherung zu beschleunigen. Die Einführung ist aber von der Ampel erst im Jahre 2025 geplant.

Simon O.

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