Zum 1. Juli 2026 tritt in Deutschland eine neue Pfändungstabelle in Kraft: Die Pfändungsfreigrenzen steigen und sollen das Existenzminimum von Schuldnerinnen und Schuldnern besser schützen.
Der Grundfreibetrag für Arbeitseinkommen liegt künftig bei rund 1.590 Euro netto im Monat, hinzu kommen erhöhte Zuschläge für Kinder und andere unterhaltsberechtigte Personen.
Rechtsgrundlage ist § 850c Zivilprozessordnung, konkretisiert durch die Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 des Bundesministeriums der Justiz, die im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde.
Für Betroffene bedeutet das: Ein größerer Teil des Einkommens bleibt vor Pfändung geschützt, während Arbeitgeber und Banken ihre Systeme pünktlich umstellen müssen, um Haftungsrisiken zu vermeiden.
Der folgende Artikel ordnet die neuen Werte ein, erklärt die Logik der Pfändungstabelle 2026/2027 und zeigt, wie Sie prüfen können, ob Ihre Pfändung korrekt berechnet wurde.
Rechtsgrundlage: Wie § 850c ZPO die Pfändungsfreigrenzen festlegt
Die Pfändung des Arbeitseinkommens richtet sich in Deutschland nach den Regelungen der Zivilprozessordnung, insbesondere nach § 850c ZPO. Dort ist festgelegt, welcher Teil des Nettoeinkommens unpfändbar ist und wie sich dieser Betrag je nach Unterhaltspflichten erhöht.
Die konkreten Euro-Beträge werden nicht im Gesetz selbst genannt, sondern in regelmäßigen Abständen durch eine Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung des Bundesministeriums der Justiz festgelegt. Die Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 vom 19. März 2026 (BGBl. I 2026 Nr. 80) enthält die ab 1. Juli 2026 bis 30. Juni 2027 geltenden Werte und die dazugehörigen Tabellen.
Jährliche Anpassung: Warum die Pfändungsfreigrenzen mit dem Grundfreibetrag steigen
Die Pfändungsfreigrenzen dienen dazu, ein Existenzminimum zu sichern und ein Gleichgewicht zwischen den Interessen von Gläubigern und Schuldnern herzustellen. Grundlage für die Berechnung ist der steuerliche Grundfreibetrag nach Einkommensteuerrecht: Steigt der steuerliche Grundfreibetrag, werden in der Regel auch die Pfändungsfreigrenzen angepasst.
Die Anpassung erfolgt jeweils zum 1. Juli eines Jahres und gilt dann für zwölf Monate bis zum 30. Juni des Folgejahres. Für Schuldner bedeutet dies häufig einen moderaten Zuwachs beim unpfändbaren Einkommen, während Gläubiger geringfügig längere Zeit auf vollständige Befriedigung ihrer Forderungen warten müssen.
Neue Freibeträge ab 1. Juli 2026: So viel Einkommen bleibt unpfändbar
Mit Wirkung zum 1. Juli 2026 steigen die Beträge, die bei Lohn- und Gehaltspfändungen unpfändbar sind. Die genauen Zahlen können je nach Quelle leicht abweichend gerundet dargestellt werden; maßgeblich sind allein die Werte aus der Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026.
Zentrale Werte (Monatsbeträge):
- Grundfreibetrag (Schuldner ohne Unterhaltspflichten): rund 1.587–1.590 Euro netto, darunter ist das Einkommen vollständig unpfändbar.
- Erhöhungsbetrag für die erste unterhaltsberechtigte Person: 597,42 Euro zusätzlich.
- Erhöhungsbetrag je weiterer (2.–5.) unterhaltsberechtigter Person: 332,83 Euro zusätzlich pro Person.
- Obergrenze für den unpfändbaren Teil bei höherem Einkommen: ab rund 4.866,30 Euro netto ist der darüber hinausgehende Betrag voll pfändbar.
Praxisrelevant ist vor allem: Wer ein Nettoeinkommen unterhalb des Grundfreibetrags hat, muss trotz Pfändung keine Abzüge hinnehmen; bei höheren Einkommen wird der pfändbare Teil anhand der offiziellen Tabelle stufenweise berechnet.
Die amtliche Pfändungstabelle 2026/2027 ist sehr umfangreich und listet für jeden Nettoeinkommensschritt den pfändbaren Betrag bis 4.866,30 Euro auf.
Pfändungstabelle 2026/2027: Zentrale Eckwerte und Freibeträge auf einen Blick
- Rechtsgrundlage: § 850c ZPO – Pfändungsfreigrenzen für Arbeitseinkommen.
- Bekanntmachung: Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 (BGBl. I 2026 Nr. 80).
- Geltungszeitraum: 1. Juli 2026 bis 30. Juni 2027.
- Grundfreibetrag (0 Unterhaltspflichten): 1.589,99 Euro monatlich unpfändbar.
- Erste Unterhaltspflicht: Freigrenze 2.189,99 Euro.
- Zweite Unterhaltspflicht: Freigrenze 2.519,99 Euro.
- Dritte Unterhaltspflicht: Freigrenze 2.859,99 Euro.
- Vierte Unterhaltspflicht: Freigrenze 3.189,99 Euro.
- Fünfte Unterhaltspflicht: Freigrenze 3.519,99 Euro.
- Ab 4.866,30 Euro netto ist der darüber hinausgehende Teil voll pfändbar.
So lesen Sie die Pfändungstabelle 2026 / 2027: Stufen, Unterhaltspflichten und pfändbare Beträge
Die vollständige Tabelle umfasst mehrere hundert Zeilen. Nachfolgend ein amtlich angelehnter Auszug, der die Logik ab Beginn der Pfändung zeigt und von keiner Untererhaltspflicht ausgeht. Besteht eine Unterhaltspflicht, so erhöht sich der pfändungsfreie Betrag.
| Nettoeinkommen (Monat) | Pfändbarer Betrag (0 Unterhaltspflichten) |
|---|---|
| bis 1.589,99 € | 0,00 € |
| 1.590,00 – 1.599,99 € | 1,82 € |
| 1.600,00 – 1.609,99 € | 8,82 € |
| 1.610,00 – 1.619,99 € | 15,82 € |
| 1.620,00 – 1.629,99 € | 22,82 € |
| 1.630,00 – 1.639,99 € | 29,82 € |
| 1.640,00 – 1.649,99 € | 36,82 € |
| 1.650,00 – 1.659,99 € | 43,82 € |
| 1.660,00 – 1.669,99 € | 50,82 € |
| 1.670,00 – 1.679,99 € | 57,82 € |
| 1.680,00 – 1.689,99 € | 64,82 € |
| 1.690,00 – 1.699,99 € | 71,82 € |
| 1.700,00 – 1.709,99 € | 78,82 € |
| 1.710,00 – 1.719,99 € | 85,82 € |
| 1.720,00 – 1.729,99 € | 92,82 € |
| 1.730,00 – 1.739,99 € | 99,82 € |
| 1.740,00 – 1.749,99 € | 106,82 € |
| 1.750,00 – 1.759,99 € | 113,82 € |
| 1.760,00 – 1.769,99 € | 120,82 € |
| 1.770,00 – 1.779,99 € | 127,82 € |
Die Staffelung setzt sich mit steigenden pfändbaren Beträgen bis zur Höchstgrenze von 4.866,30 Euro fort, der Mehrbetrag darüber ist voll pfändbar.
Hier ist eine vereinfachte Pfändungstabelle ab 1. Juli 2026, angelehnt an die offiziellen Werte aus der Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 und in der kompakten Form, wie sie redaktionell üblich ist (Einstiegsfreibeträge je Unterhaltspflicht).
Pfändungstabelle 2026/2027 (Monats-Nettoeinkommen und Unterhaltspflichten)
| Anzahl unterhaltsberechtigter Personen | Nettoeinkommen bis … ist unpfändbar | Nettoeinkommen, ab dem voll gepfändet werden darf* |
|---|---|---|
| 0 | 1.589,99 € | 4.866,30 € |
| 1 | 2.189,99 € | 4.866,30 € |
| 2 | 2.519,99 € | 4.866,30 € |
| 3 | 2.859,99 € | 4.866,30 € |
| 4 | 3.189,99 € | 4.866,30 € |
| 5 oder mehr | 3.519,99 € | 4.866,30 € |
*Ab 4.866,30 € netto ist der übersteigende Betrag voll pfändbar; darunter gelten Staffelbeträge nach der amtlichen Tabelle.
Diese Übersicht zeigt die wichtigsten Freigrenzen und die Grenze, ab der der Mehrbetrag voll pfändbar ist, nicht jede einzelne Einkommensstufe.
Pfändungstabelle 2026/2027 – typische Einkommen, mit Unterhaltspflichten (Monats-Netto, ca.-Werte)
| Netto- einkommen | Pfändbar bei 0 Unterhaltspflichten | Verbleib 0 UP | Pfändbar bei 1 Unterhaltspflicht | Verbleib 1 UP | Pfändbar bei 2 Unterhaltspflichten | Verbleib 2 UP | Pfändbar bei 3 Unterhaltspflichten | Verbleib 3 UP | Pfändbar bei 4 Unterhaltspflichten | Verbleib 4 UP |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1.600 € | ca. 9 € | ca. 1.591 € | 0 € | 1.600 € | 0 € | 1.600 € | 0 € | 1.600 € | 0 € | 1.600 € |
| 1.700 € | ca. 79 € | ca. 1.621 € | 0 € | 1.700 € | 0 € | 1.700 € | 0 € | 1.700 € | 0 € | 1.700 € |
| 1.800 € | ca. 150 € | ca. 1.650 € | 0 € | 1.800 € | 0 € | 1.800 € | 0 € | 1.800 € | 0 € | 1.800 € |
| 1.900 € | ca. 222 € | ca. 1.678 € | 0 € | 1.900 € | 0 € | 1.900 € | 0 € | 1.900 € | 0 € | 1.900 € |
| 2.000 € | ca. 289 € | ca. 1.711 € | 0 € | 2.000 € | 0 € | 2.000 € | 0 € | 2.000 € | 0 € | 2.000 € |
| 2.200 € | ca. 430 € | ca. 1.770 € | ca. 10 € | ca. 2.190 € | 0 € | 2.200 € | 0 € | 2.200 € | 0 € | 2.200 € |
| 2.400 € | ca. 569 € | ca. 1.831 € | ca. 90 € | ca. 2.310 € | 0 € | 2.400 € | 0 € | 2.400 € | 0 € | 2.400 € |
| 2.600 € | ca. 708 € | ca. 1.892 € | ca. 190 € | ca. 2.410 € | ca. 10 € | ca. 2.590 € | 0 € | 2.600 € | 0 € | 2.600 € |
| 2.800 € | ca. 847 € | ca. 1.953 € | ca. 320 € | ca. 2.480 € | ca. 90 € | ca. 2.710 € | 0 € | 2.800 € | 0 € | 2.800 € |
| 3.000 € | ca. 986 € | ca. 2.014 € | ca. 450 € | ca. 2.550 € | ca. 200 € | ca. 2.800 € | ca. 10 € | ca. 2.990 € | 0 € | 3.000 € |
| 3.300 € | ca. 1.199 € | ca. 2.101 € | ca. 660 € | ca. 2.640 € | ca. 380 € | ca. 2.920 € | ca. 140 € | ca. 3.160 € | ca. 10 € | ca. 3.290 € |
| 3.500 € | ca. 1.339 € | ca. 2.161 € | ca. 800 € | ca. 2.700 € | ca. 520 € | ca. 2.980 € | ca. 260 € | ca. 3.240 € | ca. 90 € | ca. 3.410 € |
| 3.800 € | ca. 1.552 € | ca. 2.248 € | ca. 1.020 € | ca. 2.780 € | ca. 730 € | ca. 3.070 € | ca. 460 € | ca. 3.340 € | ca. 250 € | ca. 3.550 € |
| 4.000 € | ca. 1.692 € | ca. 2.308 € | ca. 1.170 € | ca. 2.830 € | ca. 870 € | ca. 3.130 € | ca. 600 € | ca. 3.400 € | ca. 380 € | ca. 3.620 € |
| 4.300 € | ca. 1.905 € | ca. 2.395 € | ca. 1.390 € | ca. 2.910 € | ca. 1.090 € | ca. 3.210 € | ca. 820 € | ca. 3.480 € | ca. 600 € | ca. 3.700 € |
| 4.600 € | ca. 2.118 € | ca. 2.482 € | ca. 1.610 € | ca. 2.990 € | ca. 1.310 € | ca. 3.290 € | ca. 1.040 € | ca. 3.560 € | ca. 820 € | ca. 3.780 € |
Alle Beträge gerundet, verbindlich ist allein die Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 des BMJ und die dort abgedruckte Tabelle.
Vergleich 2026 – 2027: Wie stark die neuen Freigrenzen Schuldner entlasten
Bis 30. Juni 2026 gelten noch die Pfändungsfreigrenzen 2025/2026, die zum 1. Juli 2025 angehoben wurden. Der Grundfreibetrag lag hier bei rund 1.555–1.560 Euro, die Zuschläge für Unterhaltspflichten waren entsprechend niedriger.
Mit der neuen Tabelle 2026/2027 ergibt sich damit eine leichte, aber spürbare Entlastung:
- Mehr Netto vom Lohn bei gleichen Schulden.
- Höhere Schonbeträge für Personen mit Unterhaltspflichten (z. B. Kinder, Ehepartner).
- Längere Zeiträume, bis sehr hohe Einkommen vollständig pfändbar sind.
Die vollständige, amtliche Pfändungstabelle – mit allen Nettoeinkommensstufen und Pfändungsbeträgen – ist als Anhang der Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung abrufbar.
Folgen in der Praxis: Was Schuldner, Arbeitgeber, Banken und Leistungsbezieher jetzt beachten müssen
Für Schuldnerinnen und Schuldner bedeuten die höheren Freigrenzen, dass mehr Geld für Miete, Energie, Lebensmittel und andere Grundbedürfnisse zur Verfügung steht. Gleichzeitig sollen die Grenzwerte verhindern, dass Betroffene auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen sind, obwohl sie ein volles Erwerbseinkommen erzielen.
Arbeitgeber müssen ab 1. Juli 2026 sicherstellen, dass sie bei Lohnpfändungen die aktuelle Tabelle anwenden; Fehler bei der Berechnung können zu Haftungsrisiken führen. Banken nutzen die Werte u. a. als Orientierung bei Kontopfändungen in Verbindung mit Pfändungsschutzkonten (P-Konto), wobei hier zusätzliche spezielle Freibeträge gelten.
Für Empfänger von Grundsicherungsgeld sind die Pfändungsfreigrenzen vor allem dann relevant, wenn sie (wieder) eigenes Erwerbseinkommen erzielen oder Unterhaltszahlungen erhalten. In der Praxis kommt es immer wieder zu Missverständnissen, weil Pfändungsschutz nach § 850c ZPO und die sozialrechtlichen Anrechnungsregeln nebeneinanderstehen.
Kurzübersicht Pfändungsfreigrenzen 2026/2027: Fakten kompakt zusammengefasst
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Pfändungsfreigrenzen nach § 850c ZPO; Konkretisierung durch Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 (BMJ) |
| Geltungszeitraum | Neue Tabelle gilt vom 1. Juli 2026 bis 30. Juni 2027 |
| Grundfreibetrag | rund 1.587–1.590 Euro netto monatlich: darunter ist Lohn grundsätzlich unpfändbar |
| Unterhaltspflichten | Zuschlag für erste unterhaltsberechtigte Person: 597,42 Euro; je weitere (2.–5. Person): 332,83 Euro |
| Vollpfändbarkeit | Ab einem Nettoeinkommen von rund 4.866,30 Euro ist der darüber hinausgehende Betrag voll pfändbar |
| Anpassungsrhythmus | Jährliche Anpassung zum 1. Juli auf Basis des steuerlichen Grundfreibetrags |
| Adressaten | Schuldnerinnen und Schuldner mit Lohn- oder Gehaltspfändung, Arbeitgeber, Banken (P-Konto), Gerichte, Gerichtsvollzieher |
| Amtliche Tabelle | Vollständige Pfändungstabelle als Anhang der Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 im Bundesgesetzblatt |
Ihre nächsten Schritte: So prüfen Sie Pfändungen und nutzen die neuen Freibeträge
Die neuen Pfändungsfreigrenzen ab 1. Juli 2026 bringen Schuldnerinnen und Schuldnern etwas mehr finanzielle Luft, ändern aber nichts am Grundprinzip: Alles über den gesetzlichen Freibeträgen kann weiterhin gepfändet werden. Wer eine Lohn- oder Kontopfändung hat, sollte daher seine Abrechnungen genau prüfen und die aktuelle amtliche Tabelle heranziehen, um Fehler zu erkennen.
Arbeitgeber und Banken sind gefordert, ihre Systeme rechtzeitig umzustellen und Mitarbeitende zu schulen, damit die Freigrenzen korrekt angewendet werden. Bei Unklarheiten helfen Schuldnerberatungsstellen und Fachanwälte für Insolvenz- und Zwangsvollstreckungsrecht, die individuellen Ansprüche anhand der Pfändungstabelle 2026/2027 zu berechnen.